_  VI

sandte  Münchhausen  oft,  bald  an  einzelne  Professoren  bald  an  die
Bibliothek,  Handschriften  oder  Acten,  natürlich  vorwiegend  juristischen
Inhalts,  welche  zum  grossen  Theile  ebenso  gut  in  den  Staatsarchiven
eine  Stelle  gefunden  hätten.

Professor  Christian  Gottlob  Heyne,  Oberbibliothekar  von  1763
bis  1812,  wusste,  von  der  Regierung  mit  reichen  Geldmitteln  unterstützt,
  durch  zahlreiche  und  kluge  Ankäufe  die  Bibliothek  ausserordentlich
  zu  heben.  Unter  den  Erwerbungen  von  Handschriften
aus  allen  Gebieten  der  Litteratur  sind  besonders  zu  nennen:  1772
die  umfangreichen  Sammlungen  Gottfried  Achenwall’s,  des  Vaters
der  Statistik;  1796  mittelalterliche  Handschriften  aus  dem  Besitze
Lüder  Kulenkamp’s,  dann  die  von  Theodor  Strobel  in  Nürnberg
und  Altdorf  gesammelten  Briefe  aus  dem  16.  und  17.  Jahrhundert
1792  die  von  Johann  David  Michaelis  gesammelten  semitischen
Handschriften  und  1804  dessen  ausgedehnter  Briefwechsel.  Der
treue  Freund  der  Göttinger  Universität,  G.  Th.  von  Asch  in  Petersburg,
  sandte  in  den  Jahren  1772—1807  unter  seinen  zahlreichen
und  werthvollen  Schenkungen  auch  viele  arabische,  türkische  und
mittelasiatische  Handschriften  und  gezeichnete  Karten  Russlands.

Nach  1812  geschah  nicht  viel  Bedeutendes  für  die  Vermehrung
der  Handschriftensammlung  Göttingens.  Hervorzuheben  sind:  1845
der  Erwerb  der  ansehnlichen  Sammlung  juristischer  Handschriften
aus  dem  Besitze  des  Professors  Friedrich  Bergmann,  1853  die
Einverleibung  der  Handschriften  des  Klosters  St.  Michael  in  Lüneburg,
  1877  der  Erwerb  koptischer  und  arabischer  Handschriften
H.  Brugsch’s,  1887  und  1891  die  Schenkung  indischer  und  persischer

  Handschriften  von  Prof.  Friedrich  Kıelhorn  und  von
R.  G.  Bhändärkar.

So  ist  die  Handschriften-Sammlung  Göttingens  nicht  reich  an
Stücken  ersten  Rangs;  sie  ist  aber  vielseitig  wie  wenig  andere.  Sie
bietet  insbesondere  wichtigen  Stoff  für  die  Geschichte  der  deutschen
Rechte,  dann  für  die  innere  Geschichte  Deutschlands,  besonders
Hannovers,  im  16.  bis  18.  Jahrhundert.  Auch  die  Geschichte  der
protestantischen  Religion,  besonders  aber  die  Geschichte  der  Wissenschaften
  in  der  Zeit,  wo  Göttingen  an  der  Spitze  der  Universitäten  stand,
wird  durch  die  hier  verwahrten  Schriftstücke  vielfach  beleuchtet.