Philos.  60.  161

Bl.531  “Mirabile  quodpiam  prodigiuni  (die  15.  10.  1688)...  e  regione
Calabriae  ..  scriptum’;  dann  Distichen  auf  dasselbe  Ereignis  “Ursula
Dandaloni’.

Bl.532  “Ob  das  17.  Seculum  nach  Chr.  Geburt  ausz  sey,  wenn
man  anfängt  1700  zu  schreiben’,  von  Meyer.

Die  aufgezählten  Schriftstücke  zeigen,  dass  und  wie  Weigel  die
Abschaffung  des  julianischen  Kalenders  bei  den  Protestanten  durchgesetzt
  und  die  Reinigung  des  Kalenderwesens  veranlasst  hat,  die
dann  wohl  besonders  in  Berlin  ausgeführt  wurde.

Sie  werfen  auch  Licht  auf  die  Anfänge  der  Berliner  Akademie.
Die  Akademien  in  London,  Paris,  Florenz  riefen  auch  in  Deutschiand
  viele  Pläne  zur  Gründung  eines  ähnlichen  deutschen  Instituts
hervor.  Weigel  und  Leibniz  hatten  weitgehende  Pläne  gemacht
(vgl.  L.,  Oeuvres  par  Foucher  Bd.  VD);  doch  in  dem  zersplitterten
und  verarmten  Deutschland  vermochte  Keiner  die  kühnen  Entwürfe
zu  verwirklichen.  Da  kam  Weigel  um  1695  auf  den  Gedanken,  die
Kalender  sollten  für  ganz  Deutschland  in  Zukunft  von  einer  Reichsanstalt
  verfasst  werden,  diese  solle  —  das  Wichtigste  —  das  Kalendermonopol
  erhalten  und  mit  IIilfe  dieser  reichen  Einkünfte  sich  unter
dem  Namen  Collegium  artis  consultorum  zur  deutschen  Akadeinie,
„unächst  für  Mathematik  und  Physik  und  die  verwandten  Wissenschaften,
  dann  aber  für  alle  realen  Künste  und  Gewerbe  ausgestalten.
Diesen  mit  der  Kalenderverbesserung  eng  verbundenen  Plan  verfolgte
Weigel  bei  Kaiser  und  Reich  mit  allem  Eifer  und  hatte  Viele  dafür
gewonnen.  Da  starb  er  am  21.  März  1699.  Dadurch  wurde  sein
bekannter  Plan,  der  von  seinen  Genossen  nicht  mit  dem  gleichen
Feuer  betrieben  wurde,  so  zu  sagen  frei.  In  Berlin  (wie  bald  in
Dresden)  wurde  Anfang  1700  ein  Observatorium  mit  dem  Kalendermonopol
  gegründet,  vielleicht  noch  ohne  die  Mitwirkung  von  Leibniz.
Freilich  ‚hatte  Leibniz,  der  ja  mit  seinem  Lehrer  Weigel  manche
geistige  Ahnlichkeit  hatte,  schon  1697  den  Plan  Weigel’s  besprochen
(Deutsche  Schriften  hgg.  von  Guhrauer  II  S.473)  und  im  Wesentlichen
  anerkannt;  nur  hielt  er  schon  damals  die  politischen  TTindernisse
  gegen  eine  Reichsanstalt  für  gross  und  wollte  “die  Sache
partienlariter  besorgt”  haben;  (L.  verdient  also  keinen  Tadel,  wenn
er  später  als  Präsident  der  Akadcmie  von  Berlin  die  Gründung  anderer
Akademien  in  Dresden,  Wien  und  Petersburg  eifrig  betrieb).  Die
Gründung  des  Observatoriums  mit  dem  Kalendermonopol  in  Berlin
kam  ihm  deshalb  selır  gelegen;  er  knüpfte  daran  den  Plan  einer
vollständigen  Akademie  und  ersann  viele  neue  Monopole  zur  Dotirung
derselben’  Doch  die  Pläne  von  Leibniz  gediehen  nicht;  die  Akademie
lebte,  so  lange  L.  Präsident  war,  für  das  und  von  dem,  was  Weigel
ersonnen  hatte,  für  das  Kalenderwesen  und  von  dessen  Einkünften
(zur  zeit  mufs  noch  der  Calender  alles  bestreiten’  schreibt  L.  noclı
1711).  Wenn  aber  L.  öfter,  z.  B.  1713  Karl  dem  VT.  erklärt  “ich  habe
bei  der  kgl.  preussischen  Societät  den  fundum  der  Calender  vorgeschlagen,
  so  gleichwohl  jährlich  in  allen  landen  3  &amp;  4000  übersehuss
thut?,  so  schrieb  doch  schon  Ilamberger  (oben  BL.431)  am  3.  Juni  1700
mit  Recht  “uusers  scel.  Herrn  Vatter’s  (Weigel’s)  Vorsehlag  genesz
dotirt  der  Churfürst  die  mathesin  mit  ihrer  eigenen  arbeit”.  Das
ohne  Wissen  der  Weigelianer  (vgl.  BI.  431.  429.  468)  gegründete

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