62  Goettingen,  Universitäts  -Bibliothek

Histor.1839  6DBände  zu  34:20em  17  Jahrh.

“Hoeana.  Diese  umfangreiche  Sammlung  enthält  Sehriftstüeke
  zur  Geschiehte  der  Jahre  1613—35,  nur  Weniges  fällt  früher
oder  später.  Für  die  politische  Geschichte  ist  sie  nicht  sehr  aussiebig;
  ausser  gelegentlichen  Notizen  und  einigen  Schriften  über
den  böhmischen  Aufstand  Bd.  HI  Bl.21ff.  ist  hierfür  eigentlieh  nur
Bd.  V  B1.223—483  zu  erwähnen,  wo  sich  Aeten  für  die  Vorgesehiehte
des  Prager  Friedens  finden.  Ihr  Hauptinhalt  sind  Aetenstücke  zur
Geschichte  der  theologischen  Streitigkeiten  zwischen  Lutheranern
und  Reformirten.

Matthias  Hoe  von  Hoenegg,  geb.  am  24  Febr.  1580,  war
von  1603  bis  1611  Superintendent  in  Plauen,  dann  folgte  er  mit
Erlaubnis  seines  Kurfürsten  einem  Rufe  naeh  Prag;  1613  ernannte
ihn  Johann  Georg  zu  seinem  Oberhofprediger,  in  weleher  Stellung
er  bis  zu  seinem  Tode  am  4  März  1645  verblieben  ist.

Wie  grosses  Vertrauen  der  Kurfürst  Johann  Georg  in  Hoe  setzte,
beweisen  die  zahlreichen  Sehreiben  an  ihn,  deren  Originale  diese
Sammlung  enthält.  Über  jede  theologische  Gewissensfrage  musste
Hoe  sein.  Gutachten  einreichen.  Die  Streitigkeiten  der  Sächsischen
Theologen  mit  andern  wurden  häufig  dureh  Convente  erledigt,  an
denen  Hoe  theilnahm  und  gewöhnlich  den  Vorsitz  führte.  Aueh  bei
den  Streitigkeiten  zwischen  den  Theologen  zu  Tübingen  und  Giessen
wurde  seine  Vermittelung  angerufen.  Auswärtigen  lutherischen
Theologen,  die  mit  Calvinisten  in  Streit  geriethen,  stand  er  mit  Rath
und  Hülfe  bei  (z.  B.  Gediecens),  und  zeigte  sieh  stets  als  heftigen
Feind  der  Calvinisten.

Die  Sammlung  enthält  von  Hoe’s  Hand  die  Concepte  und  zuweilen
  die  Absehriften  seiner  Briefe,  Protocolle  der  theol.  Convente,
endlieh  Entwürfe  einiger  seiner  Schriften.  Die  an  ihn  geriehteten
Briefe  sind  in  der  Reg  el  im  Original  vorhanden,  die  übrigen  gewöhnlieh
  in  Copien.  Die  Ordnung  ist  meistens  sachlich  und  chronologisch,
  lässt  jedoch  sehr  viel  zu  wünschen  übrig.  Jedem  Bande
geht  ein  nach  Jahren  geordnetes  Register  mit  ausführliehen  Inhaltsangaben
  voran  von  Val.  E.  Löscher,  in  dem  von  anderer  Hand
durch  Zahlen  eine  bessere  Ordnung  hergestellt  ist;  dies  Register
ist  nicht  immer  zuverlässig  (z.  B.  Bd.  I  Bl.1  falsehes  Datum,  B1.169
Kulsebaeh-  statt  Knesebeck).  Band  IV  BIl.265—71  soll  naeh  diesem
Inhaltsverzeiehnis  ein  Brief  Feuerborn’s  vom  12  Aug.  1634  stehen,
der  jetzt  fehlt.

Die  Sammlung  war  ehemals,  wie  schon  die  von  ihm  geschriebenen
Inhaltsverzeiehnisse  zeigen,  Eigenthum  von  Val.  E.  Löscher;  noeh
1730  erwähnt  sie  Gleich,  Annales  ecclesiast.  II  91,  als  in  Löseher’s
Besitze  befindlieh  und  eitirt  daraus  das  Stück  Bd.  II  Bl.21—-56.
In  dem  Catalogus  bibliotheeae  ...  V.  E.  Loescheri  I—IIIL,  1740—41,
kommt  sie  indessen  nicht  vor.  Aueh  Gleich  selbst  besass  3  Bände
Hoeana  (Ann.  eccl.  II  151f.),  welche  jedoch  von  den  vorliegenden
verschieden  gewesen  zu  sein  seheinen.

Band  I.  IV+489  gezählte  Bl.

Bl.1—189  Briefwechsel  Hoe’s  mit  Berliner  lutherischen
Theologen  über  ihre  Kämpfe  gegen  die  Calvinisten,  mit  vielen
Beilagen.  Ausser  in  den  Büehern,  welche  bei  den  einzelnen  Schritt-