22  Goettingen,  Universitäts-Bibliothek

Schenkungen  von  Georg  von  Asch.

Georg  Thomas  von  Asch,  der  am  23.  Juni  1807  als  Staatsrath
und  erster  Medicus  der  kaiserlich  russischen  Armee  starb,  hat  die
Sammlungen  der  Universität  Göttingen  durch  grossartige  Schenkungen
jeder  Art  mehr  bereichert  als  irgend  ein  Anderer  (vgl.  Heyne,  de  obitu
G.  de  Asch,  1807;  dann  die  Register  der  Gött.  Gel.  Anzeigen  von
1784  und  1829).  Der  Mecklenburgische  Kammerherr  v.  Oertzen  schrieb
noch  1801  an  Heyne  ‘Dieser  Mann  lebt  nur  für  die  Akademie  zu  Göttingen.
  Da  Asch  Mediciner  war,  so  sind  die  von  ihm  geschenkten
Handschriften  natürlich  nur  ein  bescheidener  Theil  seiner  grossartigen
Schenkungen.

Asch  1  Asch’s  Correspondenz  mit  Heyne  1772—1806:
etwa  120  Briefe  mit  sehr  vielen  Verzeichnissen  (vielfach  in  duplo)  der
nach  Göttingen  abgegangenen  Sendungen  von  Büchern,  Handschriften,
Karten,  Kupferstichen,  Antiquitäten,  Münzen  (bes.  russischen)  und  Medaillen,
  Götzen,  Kleidern  und  anthropologischen  Gegenständen,  Mineralien,
  Samen.  Die  Gegenstände  stammen  aus  allen  Theilen  des  europäischen
  und  besonders  des  asiatischen  Russlands,  da  Asch  die  ihm
untergebenen  Militärärzte  zum  Sammeln  drängte;  so  kommt  es,  dass
Göttingen  so  Vieles  besitzt,  was  die  Kultur  Russlands  im  vorigen  Jahrhundert
  nach  allen  Seiten  beleuchtet.

Alle  Briefe  und  Verzeichnisse  sind  von  Asch’s  Hand  in  Petersburg
  geschrieben  (1772/8  französisch,  dann  deutsch)  ;  dazwischen  liegen
einige  Schriftstücke  von  Andern.  Alle  Briefe  und  Sendungen  wurden
an  Heyne  gerichtet,  als  den  Vorstand  der  Societät.  Da  diese  Briefe
und  Verzeichnisse  oft  die  Herkunft  der  Geschenke  berühren,  so  sind
sie  für  alle  Sammlungen  Göttingens  wichtig.

Von  dem  reichen  Inhalt  sei  hier  hervorgehoben:  24  Juni  1780
und  19  Febr.  1781:  Asch  schickt  sein  von  dem  russischen  Maler  Golowatschefsky
  gemaltes  Porträt.  12  Oct.  1781  ‘Merkwürdige  Artikel
aus  dem  Anticaglienvorrath  des  Herrn  Martulli  Antiquars  in  Livorno
27  Mai  1781’  (4  Seiten).  Brief  von  J.J.  Bellermann,  Jendell  ohnweit
  Revall  16  Dec.  1781.  1784—1795  öfter  Nachrichten  über  Heyne’s
Sohn  (vgl.  Heeren  über  Heyne  S.  415/6).  17  März  1786  und  18  Nov.
1791  Beschreibung  (überschickter)  orientalischer  Münzen  von  Jac.  Reineggs,
  welcher  in  den  Briefen  dieser  Jahre  oft  erwähnt  wird.  18  Mai
1793  Brief  von  J.  Roesslein  aus  Kiachta.  9  Febr.  1794  Brief  von
Th.  Jos.  v.  Tumansky.  15  Aug.  1805:  13  brandenburgische  und
schlesische  Münzen  1507—1546,  gefunden  am  Flusse  Kuma  bei  den
Ruinen  von  Madgiar  beim  russischen  Dorfe  Vokoinoi.  Am  Schlusse
ein  in  Göttingen  geschriebenes  Verzeichniss  der  russischen  Münzen.

Asch  in  (arabisch)  orientalisches  Papier;  339  Bl.;  32  cm  hoch,
24cm  breit;  13  Zeilen  15/16  Jahrh.