Ueber  den  Ursprung  der  Sachsen.  5

stieg  ein  mit  goldenen  Ketten  und  Spangen  reich  geschmuͤckter
  Juͤngling  von  den  saͤchsischen  Schiffen  an  das  Land  und
bot  seinen  Schmuck  dem  ersten  besten  Thuͤringer,  welchem  er
begegnete,  feil.  Da  er  seine  koͤstlichen  Waaren  um  jeden  Preis
hinzugeben  versprach,  so  schuͤttete  ihm  der  Thuͤringer  scherzend
einige  Haͤnde  aufgerafften  Staubes  in  den  Schoos,  und
war  nicht  wenig  erstaunt,  als  dieser  ihm  sein  Gold  dafür
überließ.  Allein  der  Sachse  führte  nunmehr  seine  Gefährten
aus  den  Schiffen,  streute  den  eingesammelten  Staub  auf
das  umherliegende  Land  und  errichtete  daselbst  ein  Lager.
Den  Thüringern  aber,  welche  sich,  kraft  des  geschlossenen
Vergleichs,  dem  widersetzen  wollten,  gab  er  zur  Antwort:
das  Bündniß  sey  unverletzt,  er  u##lle  nur  über  seinen  theuer
bezahlten  Staub  frei  verfügen.  In  einem  darüber  sich  entspinnenden
  Gefechte  zogen  die  Thüringer  den  Kürzern.  Man
kam  überein,  von  beiden  Seiten  Abgeordnete  zu  senden,
welche  unbewaffnet  sich  an  einem  bestimmten  Orte  treffen
sollten.  Die  sächsischen  Abgesandten  aber  verbargen  ihre
großen  Messer,  deren  sie  sich  zu  bedienen  pflegten,  unter  den
Mänteln  und  stachen  die  thüringischen  Abgesandten,  welche
aus  den  vornehmsten  Häuptlingen  bestanden,  nieder,  wodurch
sie  sich  zu  Herren  des  Landes  machten  und  die  frühern
Insassen  verjagten.  Von  jenen  Messern  aber,  Sahs  genannt,
erhielten  sie  angeblich  den  Namen:  Sahssen,  Sassen.  Diese
Erzaͤhlung  sieht  übrigens  andern  Fabeln  —  namentlich  der
Kuhhaut  der  Dido  —  zu  ähnlich,  als  daß  sie  für  etwas
mehr,  als  eine  der  vielfachen  Sagen  aus  jenen  Zeiten,  gelten
koönnte.  Mehr  für  sich  hat  wohl  die  Ableitung  des  Namens
von  dem  Worte  Sasse,  welches  Einen  bezeichnet,  der  einen
festen  Platz  hat  und  in  dieser  Bedeutung,  z.  B.  in  „Insasse“
sogar  noch  in  unsern  Zeiten  gebraucht  ist.

Den  ersten  Stammsitz  der  Sachsen  müssen  wir  in  den
Ländern  an  der  Ostsec,  in  Holstein,  Schleswig  und  Juͤtland  fuchen,
  von  wosie  sich  nach  Engern  und  Westphalen  hin  verbreiteten.
Die  Angeln,  welche  ihren  Sitz  zwischen  Jütland  und  Holstein
hatten,  schmolzen  später  in  Ein  Volk  mit  ihnen  zusammen,
und  als  sie  nach  längern  Räubereien  an  den  Britanischen