Die  Serben.  Die  Franken  7

Heimath  erzwingen,  theils  aber  auch  in  ihrer  Einwanderung
selbst  durch  die  Franken  unterstuͤtzt  werden,  indem  sie  nuͤtzliche
  Kenntnisse,  besonders  Ackerbau  und  Viehzucht,  mit  sich
brachten  und  daher  als  Colonisten  nicht  unwillkommen  waren.
  Troß  ihres  regen  Verkehrs  mit  deutschen  Volkerstämmen,
  weichen  sie  in  Religion,  Sitten  und  Aeusseren  dennoch
streng  von  denselben  ab.  Ihre  Religion  —  des  orientalischen
Bilderschmuckes  des  deutschen  Götterdiensteb  entbehrend  —
zeigt  jene  grellen  Contraste  der  Begriffe  zwischen  gut  und  böse,
zwischen  Tag  und  Nacht,  sie  entbehrt  der  vermittelnden
Zwischentöne  und  Uebergänge  und  erscheint  daher  ungereifter,
unausgebildeter,  als  die  ohngleich  sinnreichern  Religionsbegiife
  der  Deutschen.  Grell  neben  ihren  Lichtgöttern,  Svante-Vit
  ꝛc.  stehen  die  Verfechter  des  Unheils,  die  Nachtgötter,
Tschernebog  r2c.  und  diese  nur  in  Extremen  sich  bewegenden
Vorsiellungen  der  Gottheit  zeugen  von  einer  gewissen  Beschränktheit
  der  Phantasie,  einer  Armuth  der  Begriffe,  über
welche  sich  ein  großer  Theil  der  slavischen  Volker,  fteilich
auch  zum  Theil  durch  den  Druck  politischer  Einflüsse,  noch
jetzt  nicht  erheben  kann  und  die  sie  mehr  auf  die  gewerblichen
Verrichtungen,  als  auf  Dichtung  und  Künste  verweistt.
Whrend  in  diesem  Steigen  und  Fallen  siegender  und
unterliegender  Kräfte,  die  deutschen  und  flavischen  Volkerstämme,
  welche  dieses  Gedränge  theils  mehrten,  theils  erlitten,
  nur  dem  instinctartigen  Triebe  nach  Beute,  nach  lokkenden
  und  fruchtbaren  Gegenden  folgten  und  gleichsam  von
dem  Gesetze  der  todten  Schwere  vorwärts  oder  rückwärts
geschleudert  wurden;  begann  nur  einer  dieser  deutschen  Stämme
  sich  frühzeitig  mit  politischer  Planmaäßigkeit  auszubilden,
  und  mitten  in  dem  brandenden  Gewirre  der  rings
umher  sich  drängenden  und  zerrenden  Volkermassen,  ein  tieferes
diplomatisches  System  zu  entwickeln.  Dies  waren  die  Franken.
  Mit  abgeschliffenern  Sitten,  überwiegender  Weltklugheit
  und  ausgebildeterem  Sinne  zu  Künsten  und  Wissenschaften,
  der  ihnen  namentlich  in  der  Kriegskunst  die  größten
Vortheile  einräumte,  wußten  sie  sich  gar  bald  ein  mächtiges
Uebergewicht  vor  allen  ihren  Nachbarn  zu  verschaffen,  und