8  Die  Franken.

ihr  angeborner  kriegerischer  und  eroberungslustiger  Sinn  —
endlich  noch  das  Einzige,  was  fuͤr  ihre  deutsche  Abkunft
zeugte  —  bestimmte  sie,  dieses  Uebergewicht  nach  allen  Kräften
  zu  nuͤtzen.  Je  nachdem  die  Klugheit  es  ihnen  gebot,  behandelten
  sie  die  sowohl  durch  ihre  Zahl  und  Lage,  als  durch
innere  Selbststaͤndigkeit  maͤchtigen  Sachsen  bald  als  Feinde,
bald  als  Bundesgenossen.  Durch  vereinte  fraͤnkische  und

58  saͤchsische  Waffen  ward  um  das  Jahr  530  das  Reich  der

531  Thuͤringer  gestuͤrzt,  deren  letzter  Koͤnig  Hermanfried  dabei  umkam.
  Franken  und  Sachsen  theilten  sich  in  das  eroberte
Reich  und  letztere  erhielten  wahrscheinlich  das  Land  diesseits
der  Unstrut,  sonst  Nord-Thüringen  genannt.  Sie  nahmen
in  die  eroberten  Gegenden  fremde  Kolonisten  auf,  doch  bleibt
es  unentschieden,  ob  dies  die  vorigen  Einwohner,  oder  ob  es
slavische  Staͤmmlinge  waren.

Die  Franken  hatten  sich  fruͤhzeitiger,  als  alle  uͤbrige
Deutsche,  der  christlichen  Religion  zugewendet,  und  es  scheint
daß  mehr  eine  gewisse  Sucht,  durch  Neuheit  zu  glaͤnzen,
als  durchgängige  Ueberzeugung  sie  so  fest  an  dem  neuen
Glauben  hangen  ließ.  Gewiß  aber  ist  es,  daß,  wie  in  den
spatern  Reformationskriegen,  schon  damals  die  Religion  zum
Deckmantel  politischer  Absichten  gebraucht  wurde,  und  daß
die  Franken  in  der  Religion  nicht  nur  einen  angeblichen
Anlaß  zur  Bekriegung  ihrer  heidnischen  Nachbarn,  sondern
auch  in  der  Gleichstellung  des  Glaubens  ein  wichtiges  politisches
  Band  erblickten,  um  die  bezwungenen  Volker  mit
ihrem  Interesse  zu  verknüpfen  und  festzuhalten.  Ihnen  gegenüber
  standen  —  eifersüchtig  auf  ihre  Macht  und  zürnend
gegen  ihren  eitlen  Abfall  vom  alten  Glauben  und  von  den
alten  Sitten  —  die  Sachsen,  mehr  vielleicht  noch  aus  Hartneckigkeit,
  als  aus  Ueberzeugung  ihrem  heidnischen  Glauben
getreu.  Das  Christenthum  konnte  in  der  verkränkelten  und
verschndrkelten  Weise,  wie  es  durch  die  damals  auflebende
und  von  den  Franken  vorzugsweise  genährte  Hierarchie  sich
offenbarte,  den  wilden  Sachsen  nur  seltsam,  ja  komisch  vorkommen.
  Statt  ihres  sinnigen,  dem  Bramah  der  Indianer
  ähnlichen  Wodan;  statt  ihres  donnernden,  Riesen  zer-