Die  Franken.  Religion  der  Sachsen.  9

schmetternden  Thor,  die  ihnen  in  der  Begeisterung  ihrer
Barden,  in  der  heiligen  Wuth  ihrer  Druiden,  oder  sichtbarer
noch  in  der  leuchtenden  Bifrost  (Himmelsbrücke  —  Regenbogen)
  stete  Beweise  ihres  wirklichen  Daseyns  gaben;  sollten
sie  jetzt  an  einen  Gott  glauben,  der  sich  hinter  ewige  Unsichtbarkeit
  und  kirchliche  Mysterien  verschanzte,  und  an  der
Stelle  ihres  Walhalla  —  des  Heldenhimmels,  in  welchem
sie  wie  auf  Erden,  kämpfen  und  trinken  durften  —  bot  man
ihnen  den  unbekannten  Christenhimmel,  über  dessen  Topographie
  und  Einrichtung  ihnen  selbst  die  Bekenner  des  Gekreuzigten
  nichts  Genügendes  zu  sagen  wußten  und  wo  ernsthafte
bärtige  Heiligengesichter  und  Hymnensingende,  statt  Waffenübende
  Engel  sie  für  das  Vermissen  der  schdnen  goldlockigen
Walkyren  entschädigen  sollten.

Es  ist  hier  wohl  nicht  am  unrechten  Orte,  Etwas  über
die  Religion  der  alten  Sachsen,  die  sie  im  Allgemeinen
mit  den  übrigen  Deutschen  und  nordischen  Volkern  theilen,
zu  sagen.  Wie  die  Edda  uns  dieselbe  überliefert,  ist  sie
mehr  eine  Gbtterdichtung,  als  eine  Götterlehre,  und  die
ungestüme  Phantasie  der  nordischen  Vôolker  faßte  selbst  das
Heilige  und  Uebersinnliche  mit  einer  gewissen  Fronie  an,  die
ihren  Gegenstand  immer  aufs  neue  mit  Schleiern  der  Dichtung
  uberwarf  und  so  ihre  eignen  Vorstellungen  der  Gottheit
  vor  sich  selbst  in's  Mährchenhafte  übertrug.  Wir  konnen
  daher  die  Ueberlieferungen  der  Edda,  als  eine  durch
die  Phantasie  der  Scalden  umgeborene  Gdtterlehre,  nur  mit
großer  Auswahl  auf  die  wirklichen  Glaubensbegriffe  der
alten  germanischen  Volker  anwenden,  die  im  Ganzen  wohl
unabgeschlossen  und  mangelhaft  genug  gewesen  seyn  dürften.
Ihre  Begriffe  von  der  Gottheit  lagen,  wie  bei  allen  in  der
Entwickelung  begriffenen  Volkern,  der  menschlichen  Natur
moͤglichst  nahe,  und  ihr  kriegerischer  Sinn  glaubte  damit
schon  Alles  gethan  zu  haben,  wenn  er  seine  Götter  als
hochste  Muster  von  Tapferkeit  und  Stärke  sich  dachte;  sie
legten  den  Göttern  nur  eine  Steigerung,  keineswegs  aber
eine  Veredlung  ihrer  eignen  Affecten  bei,  und  um  die  Stärke
und  Kraft  derselben  in's  Ueberschwengliche  zu  treiben,  stellten