Religion  der  Sachsen.  13

welches  soviel  als  ein  Heerfuͤhrer  bedeuten  soll.  Letzterem
mag  wohl  auch  die  bekannte,  in  Westphalen  stehende  Irmensaͤule
  geweiht  und  nach  ihm  benannt  gewesen  seyn,  welche
Carl  der  Große  bei  seinen  Streifereien  in  das  Gebiet  der
Sachsen  zerstoͤrte;  und  die  Meinung  Anderer,  welche  in  dem
Götzenbilde  eine  umfassendere  Bedeutung  suchen  und  glauben,
  daß  die  Irmensäule  so  viel  als  Allgemein  -Säule*)  oder
Idermans  (Jedermanns)=  Säule  heisse,  dürfte  schwerlich  sich
halten  können.  Gleich  der  Erde  megen  sic  auch  der  Sonne
und  dem  Monde,  so  wie  dem  Feuer,  wenn  auch  nicht  gbttliche,
  doch  hohe  Verehrung  gezollt  haben.

Der  Gottesdienst  der  alten  Germanen  geschah  unter
freiem  Himmel,  in  heiligen  Hainen  und  am  Fuße  gewisser
Berge.  Die  Altäre  bestanden  aus  großen  übereinander  gelegten
  Steinblöcken;  dem  Wodan  wurden  Menschen,  gefangene
  Feinde,  geopfert.  Die  Leiber  der  geschlachteten  Opfer
wurden  an  den  Bäumen  der  heiligen  Haine  aufgehangen.
Ihre  Priester,  Druiden,  übten  zuglceich  eine  gesetzlich  vollziehende
  Macht,  indem  die  Bestrafung  gewisser  Verbrechen
an  Leib  und  Leben  ihnen  zukam.  Die  Götterlehre  in  ihrer
tiefern  Bedeutung,  betrieben  sie,  gleich  den  Priestern  der
Egyptier,  als  eine  geheime  Wissenschaft,  mit  deren  Ergründung
  sie  oft  zwanzig  Jahre  zu  thun  hatten.  Aus  dem
Blute  der  durchbohrten  Opfer,  besonders  der  Gefangenen,
denen  sie  mit  einem  großen  Messer  die  Brust  dffneten,  aus
dem  Fluge  der  Vogel  u.  s.  w.  weissagten  sie  den  gläcklichen
oder  unglücklichen  Ausgang  der  Schlachten  und  sonstigen
Unternehmungen.  Die  Opferung  der  Gefangenen  scheint
mehr  den  weiblichen  Priesterinnen,  Alrunen,  obgelegen  zu
haben.  Auch  die  Barden,  Sänger,  scheinen  eine  gewisse  priesterliche
  Weihe  genossen  zu  haben.  Sie  sangen  das  Lob  der  Götter
und  den  Ruhm  der  Helden;  in  ihren  Liedern  allein  pflanzten
sich  die  Sagen  und  Begebenheiten  fort,  und  diese  glähende
Gesangesliebe  unserer  Voreltern,  kraft  deren  Alles,  ohne
Schrift,  nur  in  Gedichten  und  Liedern  im  Munde  des

*)  Adami  Bremens.  hist.