Carls  Feldzug  gegen  die  Sachsen.  15

ununterbrochen  auf  seiner  langen  Laufbahn  laͤchelte,  der
Glanz  und  Umfang  seiner  Siege,  das  Schnelle,  Durchgreifende
  und  Gewaltige  seines  Wirkens  und  das  Romantisch-Alterthumliche
  seiner  Herrscher=  und  Heldengestalt  ziehen  ihn
gleichsam  halb  in  die  alte  wunderbare  Sagemwelt  hinüber,
während  er  durch  die  feine  Besonnenheit  seiner  Politik,  durch
die  schon  sich  modernisirende  Art  seiner  Kriegs=  und  Staatsführung
  wiederum  mehr,  als  mancher  seiner  Nachfolger,  der
neuern  Zeit  angehdrt.  Hatten  nicht  Flecken  kleinlicher  Art
dieses  schöne  Bild  der  Kraft  hin  und  wieder  entstellt,  hätte
sich  seine  Politik  reiner  von  Ränken  erhalten,  und  wäre  sein
vom  Glück  verwöhnter  Muth,  bei  entgegenstehenden  Schwierigkeiten,
  weniger  zum  Zorn,  sein  Zorn  weniger  zur  Grausamkeit
  ausgeartet,  so  haͤtte  vielleicht  keine  andere  Zeit  eine
aͤhnlich  großartige,  edle  und  glänzende  Erscheinung  außzuweisen.


Die  listige  und  zweideutige  Weise,  wie  Carl,  nach  dem
Tode  seines  Bruders  Carlmann,  dessen  Wittwe  und  Kind
abfand  und  ihr  Erbe  an  sich  ritz,  hatte  ihm  im  Innern  seines
  Kreises  Mißbilligung  und  Feindschaft  zugezogen.  Diesen
  Zeitpunct  daher,  wo  innere  Sorgen  Carls  Geist  und
Kräfte  beschäftigen  mußten,  hielten  die  Sachsen  für  geeignet,
den  übermüthigen  Nachbar  abzustrafen.  Sie  unternahmen
Einfälle  in  die  thüringischen  und  hessischen  Besitzungen  der
Franken,  und  raubten  und  verheerten,  so  viel  nur  ihr  Ingrimm
  sich  Luft  machen  wollte.  Carl  hielt  dem  zufolge  im
Jahr  772  zu  Worms  einen  Reichstag,  auf  welchem  der  77
Krieg  gegen  die  Sachsen  beschlossen  wurde.  Er,  der  damals
erst  dreißig  Jahre  alt  war,  fiel  in  Westphalen  ein,  schlug
die  Sachsen  in  der  Nähe  von  Osnabrück,  nahm  die  Festung
Eresburg  ein  und  zerstürte  ihr  Goͤtzenbild,  die  Frmensäule.
Hierauf  rückte  er  gegen  die  Weser  vor  und  trieb  die  Sachsen
  dergestalt  in  die  Enge,  daß  sie  um  Frieden  baten  und,
als  Unterpfand  künftiger  Ruhe  und  Friedfortigkeit,  zwölf
Geiseln  stellten.

Kaum  aber  hatte  Carl  dem  Schauplatze  wieder  den  rJN
Rücken  gewendet  und  war,  zur  Vertheidigung  der  papstlichen