777

778

18  Wittekind  der  Große.

Dänenkdnig,  mit  ihm  gegen  die  Franken  einging  und  das
durch  Bande  der  Verwandtschaft  befestigt  ward,  indem  Wittekind
  Siegfrieds  Tochter,  Geva,  zum  Weibe  nahm;  doch
scheint  dieses  Bündniß  nicht  erfolgreich  in  Wittekinds  kriegerische
  Verhältnisse  eingegriffen  zu  haben.  Zu  gleicher  Zeit,
im  J.  777  veranstaltete  Carl  eine  große  Reichsversammlung
zu  Paderborn,  woselbst  sich  —  Wittekind  nebst  seinem  Freunde
und  Waffengefährten,  Albion,  ausgenommen  —  alle  Edle
und  Anfährer  der  Sachsen  einfanden,  dem  Konige  den  Eid
der  Treue  leisteten,  die  Taufe  empfingen  und  dafür  in  ihrer
Freiheit  und  dem  Besiße  ihrer  Güter  bestätigt  wurden.  Zugleich
  ward  daselbst  die  Bekehrung  der  noch  übrigen  rebellischen
  Sachsen,  durch  Güte  oder  Gewalt  beschlossen.
Während  im  J.  778  Carl  mit  einem  mchtigen  Heere
die  Pyrenden  überschritt  und  in  Spanien  siegreich  gegen  die
Saracenen  kämpfte,  bereitete  sich,  wie  meist  in  seiner  Abwesenheit,
  in  Sachsen  ein  neuer  Aufstand  vor.  Das  Glück,
welches  ihm  auf  dem  Schlachtfelde  überall  gefolgt  war,  wendete
  ihm  auf  der  Heimkehr  unerwartet  den  Rücken.  Denn
als  er,  auf  die  Nachricht  von  dem  neuen  Aufstande  in  Sachsen,
  sich  auf  den  Rückweg  machte,  ward  in  einem  Engpasse
des  Gebirges  der  Nachzug  seines  Heeres  von  den  räuberischen
Gasconiern  überfallen  und,  ohne  daß  diesen  Bergbewohnern
in  ihrer  mörderischen  Behendigkeit  beizukommen  gewesen  wärc,
zum  größten  Theile  erschlagen.  Die  Nacht#  und  die  Unkenntniß
  des  Weges  wehrte  den  Franken  jeden  Widerstand,  während
  der  Feind  jeden  Schlupfwinkel  kannte  und  jeden  Felsenvorsprung
  zu  einer  unzugänglichen  Festung  verwandelte,  von
welcher  herab  er  den  Tod  entsendete,  ohne  von  demselben
erreicht  werden  zu  können.  Eine  große  Anzahl  von  Carls
ersten  Heerführern  —  unter  ihnen,  wie  es  heißt,  auch  der
durch  Sage  und  Gedicht  so  berühmt  gewordene  (fabelhafte)
Held  Roland  —  kamen  dabei  um,  das  Gepäck  ward  vom
Feinde  geplündert.  Für  den  glückverwöhnten  Carl  war  dieser
plötzliche  und  ausserordentliche  Verlust  ein  doppelter  Schlag.
Er  besaß  nicht  den  wahren  Gleichmuth  des  Helden  für  unerwartetes
  Mißgeschick,  und  sein  Emsetzen  verwandelte  sich  in