Kaͤmpfe  gegen  die  Franken.  19

unbaͤndigen  Grimm  gegen  die  Sachsen,  welche  mittelbar  die
Schuld  dieses  Ungluͤcks  trugen.  Als  diese,  durch  die  Nachricht
  von  der  Vernichtung  des  fraͤnkischen  Heeres  ermuthigt,
verheerend  bis  an  den  Rhein  vorruͤckten,  wurden  sie  von  den
vereinigten  Franken  und  Allemanniern  bei  dem  Wasser  Adarna
jählings  überfallen  und  mit  großem  Verluste  zerstreut.  Aber
ungebeugt  von  dem  ungeheuren  Unglücke,  welches  Wittekind
unerbittlich  verfolgte,  zog  er  die  Trümmer  seines  geschlagenen
Heeres  nebst  einigen  Engern  und  Ostphalen  zusammen,  und
nahm  an  den  Ufern  der  Lippe  eine  sehr  wohlüberlegte  Stellung
  ein,  die  seiner  Feldherrnkenntniß  Ehre  macht  und  wohl
Früchte  getragen  haben  würde,  wenn  er,  statt  guter  Fechter,
gute  und  disciplinirte  Soldaten  befehligt  hätte.  Carl  selbst
leitete,  auf  der  Seite  der  Franken,  den  Angriff,  und  auch
diesmal  konnten  die  nur  von  persdnlicher  Beherztheit,  nicht
aber  von  planmaßiger  Kriegskunst  unterstützten  Sachsen  ihm
nicht  Stand  halten,  vielmehr  erlitten  sie  in  der  Nähe  von
Buchholz  eine  blutige  Niederlage.  Die  Engern  und  Ostphalen
  —  immer  die  Schnellsten  zur  Unterwerfung  wie  zum  Aufruhr
  gegen  Carl  —  gingen,  obschon  sie  sich  freiwillig  unter
Wittekinds  Fahnen  begeben,  zu  den  Franken  über,  ohne  erst
den  Angriff  abzuwarten,  stellten  Geiseln  und  baten  um  Frieden.
  So  hatte  Wittekind  nicht  nur  gegen  das  unverwüstliche
  Glück  seines  Feindes,  sondern  auch,  was  noch  schlimmer,
  gegen  den  Verrath  und  die  Unbeharrlichkeit  der  Seinigen
  zu  kämpfen,  die  eben  so  unbändig  im  Angriffe,  als  übereilt
  und  besinnungslos  im  Fliehen  waren  und  durch  Beides
die  kühnen  und  klugen  Anschláge  ihres  großen  Führers  jederzeit
  zu  nichte  machten.  Wittekinds  Loos  gehdrt  zu  den  beklagenswerthesten
  und  vielleicht  hat  die  Geschichte  keinen  andern
  Helden  aufzuweisen,  der  so  viel  Ruhm  mit  so  viel  Unglück
  vermählt  hätte,  wie  er  als  Führer  eines  Volkes,  das  zwar
stets  geneigt  war,  sich  von  seinem  kühnen  Aufrufe  begeistern
zu  lassen  und  ihm  gegen  die  verhaßten  Unterdrücker  in  die
Schlacht  zu  folgen,  das  aber  auch  schon  im  ersten  Mißgeschicke
  verzagte  und  des  Gehorsams  wie  der  Treue  gegen  ihn
vergaß.

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