Kaͤmpfe  gegen  die  Franken.  21

ten  und  in  unthätigem  Entsetzen  den  Untergang  des  Heeres
mit  ansahen.  Zwei  der  vornehmsten  und  vertrautesten  Diener
  Carls,  vier  Grafen  und  zwanzig  fränkische  Edle  befanden
sich  unter  den  Erschlagenen.  Blutgesättigt  zogen  sich  hierauf
die  fürchterlichen  Rächer,  unter  Wittekinds  Anführung,  wieder
  auf  die  Höhe  des  Berges  zurück.

Leider  sollte  dies  der  erste  und  zugleich  der  letzte  Glücksstrahl
  seyn,  welcher  über  Wittekinds  düsterm  Leben  aufleuchtete.
  Carl  rückte,  auf  die  Nachricht  der  erlittenen  Niederlage,
mit  einem  in  der  Eile  zusammengerafften  Heere  nach  der
Weser  vor.  Seine  Ankunft  erschreckte  die  zwischen  der  Weser
  und  der  Elbe  wohnenden  Sachsen,  sie  fürchteten  die  Rache
des  Franken  und  eilten  durch  Bitten  und  Unterwerfung  derselben
  zuvorzukommen.  In  kurzem  sah  sich  Wittekind  beinahe
  von  allen  den  Seinigen  verlassen;  ja  die  Muthlosen
waren  verblendet  genug,  dem  knirschenden  Carl  viertausend.
fünfhundert  Sachsen  als  die  Rädelsführer  und  Anstifter  der
letzten  Empdrungen  zu  bezeichnen  und  auszuliefern.  Hier  befleckte
  Carl  seinen  Kriegsruhm  durch  eine  That,  die  —  waͤre
er  nicht  einer  jener  auserlesen  glöcklichen  Helden  gewesen,
deren  Schwächen  und  Vergehungen  die  Geschichte  recht  absichtlich
  zu  umgehen  und  in  dem  Glanze  seiner  übrigen  Thaten
  zu  ersticken  suchte  —  leicht  die  Verachtung  der  Nachwelt
auf  ihn  geladen  haben  würde.  Er  ließ  die  ihm  überlieferten,
wehrlos  gemachten  viertausend  fünfhundert  Sachsen  niederhauen.
  Ein  gräßlicher,  verworfener  Blutbefehl  gegen  ein
Volk,  dem  der  habsüchtige  Carl  keinen  andern  Vorwurf  zu
machen  hatte,  als  daß  es  seine  Freiheit  ihm  zu  theuer  verkaufte,
  und  gegen  welches  er  kein  anderes  Recht  besaß,  als
seine  Uebermacht.  Und  der  Geschichtschreiber  Eginhard
war,  als  Vasall  und  Biograph  des  Tyrannen,  frech  genug,
den  Sachsen  zum  Vorwurf  zu  machen,  daß  sie,  dem  Dienste.
böser  Geister  ergeben,  sich  kein  Gewissen  daraus  machten,
menschliche  wie  göttliche  Rechte  zu  verletzen!  Welchen  Namen
  hatte  er  sodann  für  die  That  seines  Gebieters?  —  Noch
vor  ohngefähr  150  Jahren  will  man  in  der  Gegend,  wo  dieses
  Blutbad  vorfiel,  einige  aufgewühlte  Gräben  mit  Men-