Kaͤmpfe  gegen  die  Franken.  23

den  selbst  bei  guͤnstigern  Aussichten  das  Schicksal  hart—
naͤckig  verfolgte,  keinen  Sieg  versprechen;  er  mußte  die  Seinigen
  abermals  geschlagen  und  zerstreut  sehen.

Dieses  unwendbare  Mißgeschick  erfüllte  endlich  Wittekinds
  Seele  mit  dästerm,  schmerzlichen  Unmuthe.  Von  denen
verrathen  und  aufgegeben,  für  deren  Freiheit  und  Unabhängigkeit
  er  so  oft  gekämpft  und  geblutet  hatte,  von  einem
Schicksale  verfolgt,  dessen  Gunst  seine  Kraft  und  Seelengröße
  in  so  hohem  Grade  verdient  hätte,  und  von  Göttern
verlassen,  deren  Altäre  er  hartnäckig  gegen  einen  siegenden
neuen  Glauben  vertheidigte,  fing  er  an,  an  Volk,  Vaterland
und  Gdttern  zu  verzweifeln.  Den  starken  Helden  hatte  Alles
getäuscht,  wofür  er  gestritten;  er  suchte  jetzt  nur  noch  eine
Freistätte  für  seinen  Gram,  ein  friedliches  Schmerzenslager
—  denn  auf  welche  Freuden  konnte  der  zu  schwer  Verwundete
  noch  hoffen  —  um  die  zerstörten  Hoffnungen,  um  seinen
zur  Lüge  gewordenen  Glauben  zu  betrauern!  —  Er  wendete
sich  mit  seinem  Freunde  und  Leidensgefahrten,  Albion,
jenseit  der  Elbe  hin,  nach  Jütland  oder  Dänemark;  und  nur
zu  oft  mochte  sich  der  Geist  der  beiden  dästern  Helden  vereint
  in  die  blutigen  Erscheinungen  ihres  ruhelosen  Lebens
versenken.

Carl,  dem  das  Unglück  seines  großen  Feindes  Achtung
abnöthigte,  vielleicht  auch  von  einer  geheimen  Reue  über  die
begangenen  Grausamkeiten  bewogen,  trachtete  jetzt  ernsthaft,
Wittekind  mit  sich  auszusöhnen  und  die  Hand  des  sachsischen
Helden,  die  er  so  oft  schwer  genug  hatte  empfinden  müssen,
freundlich  in  die  seinige  zu  legen.  Auch  sah  er  ein,  daß
Wittekind  von  ihm  nur  besiegt,  aber  nie  bezwungen  werden
konne,  und  daß,  so  lange  ihm  in  diesem  ein  Feind  lebe,  er
der  Früchte  seiner  Siege  nie  froh  werden  dürfe.  Er  schickte
daher,  sobald  er  Wittekinds  und  Albion's  Aufenhalt  erfahren,
  Gesandte  an  die  beiden  sächsischen  Fürsten,  ließ  ihnen
seine  Freundschaft  antragen  und  sie  zu  sich  einladen,  um  über
die  Bedingungen  des  Friedens  gemeinschaftlich  verhandeln  zu
können,  besonders  aber  ließ  er  sie  ermahnen,  nach  dem  Beispiele
  der  meisten  sächsischen  Edlen  den  Tugglauben  an  ihre