Wittekind  empfaͤngt  die  Taufe.  25

den  Ort  seines  ersten  friedlichen  Zusammentreffens  mit  Carl,
auch  als  Ort  der  Taufe  an.  Bonifazius,  Bischof  von  Mainz
und  Einer  der  beruͤhmtesten  Heidenbekehrer,  taufte  ihn,
wahrscheinlich  an  dem  Osterfeste  des  Jahres  786.  Wittekinds
  Beispiele  folgte  nicht  nur  sein  Freund  Albion,  sondern
auch  eine  Menge  anderer  saͤchsischen  Herren.

Ein  altes  Manuscript  der  vaticanischen  Bibliothek  zu
Rom  enthaͤlt  das  zu  jenen  Zeiten  uͤbliche  Glaubensbekenntniß,
welches,  nicht  nur  der  Wichtigkeit  des  dadurch  bezeichneten
Ereignisses  wegen,  sondern  auch  als  ein  Beitrag  zur  Pruͤfung
der  Sprachen-Entwickelung,  hier  einen  Platz  finden  mag:

Frage  des  Taufenden.
Forsachistu  Diabolae7
Entsagest  du  dem  Teufel7)
Antwort  des  Täuflings.
Ec  forsacho  Diabolae.
Ich  entsage  dem  Teufel.

Frage.
End  allom  diabol  gelde  7)

Und  aller  Gemeinschaft  des  Teufels?

Antwort.
End  ec  forsacho  allom  diabol  gelde.

Und  ich  entsage  allem  Umgang  des  Teufels.
Frage.

End  allom  diabole  Vuercum?7
Und  allen  Teufelswerken?

Antwort.
End  ec  forsacho  allom  diabole  Vuercum  end  Vuordum

thuna  erende  Vuoden  end  Saxnote  end  allom  them
unholdum  the  hira  genotas  sint.

—-*)

  Diese  Lossagung  vom  Teufel,  welche  man  dem  Täuflinge  abverlangte,
  bezieht  sich  wahrscheinlich  auf  den  sächsischen  Abgott
Wodan  (auch  Crodo  —  grote  Odo  oder  Odin,  genannt)  den  die
fränkischen  Christen,  besonders  auch  Carl  der  Große,  nach  einer

angeblich  von  ihm  gethanen  Aeußerung,  für  gleichbedeutend  mit
dem  Teufel  hielten.

ir)  Gelde  —  unser  heutiges  Wort:  Gilde.

786