Wittekind  empfaͤngt  die  Taufe.  27

kriegerische  Seele,  welche  in  einem  vieljährigen,  unversöhnlichen
  Kampfe  für  die  Altäre  der  alten  Götter  sich  nie  verlaͤugnet
hatte,  war  im  blutigen  Gewirre  langer  Schlachten  wohl  zu
eingerostet,  um  die  Strahlen  des  Christenthums  in  ihrer  geheimnißvoll-erhabenen
  Wirkung  in  sich  aufzunehmen,  und
wenn  er,  wie  sich  voraussetzen  läßt,  durch  stetes  Mißgeschick
auch  endlich  den  Glauben  an  seine  alten  Götter  verloren
hatte,  so  hieß  dies  doch  noch  lange  nicht,  an  die  Wunder
des  Christenthums  glauben.  Es  gehört  fürwahr  eine  starke
Einbildung  dazu,  wenn  man  in  Wittekinds  eisernem  Geiste
—  den  der  Haß  gegen  die  Paniere  des  Gekreuzigten  groß
gezogen  —  noch  im  spätern  Mannsalter,  wo  nicht  einmal
die  Phantasie  mehr  dem  Glauben  zu  Hilfe  kommen  konnte,
eine  kindlich  schwärmerische  Ueberzeugung  für  eine  allen  seinen
ursprünglichen  Begriffen  so  wenig  entsprechende  Religion  erwachsen
  sehen  will.  Mit  ziemlicher  Gewißheit  darf  man
bei  kühler  Betrachtung  der  Sache  annehmen,  daß  sein  Uebertritt
  eine  Handlung  von  nur  politischer  Natur  war.  Er
hatte  den  Glauben  an  seine  angestammten  Götter  durch  stete
Niederlagen  in  ihrem  Dienste  verloren,  und  es  konnte  dem
schmerzlich  Enttäuschten  nunmehr  gleich  seyn,  welchem  Glauben
  er  sich  dußerlich  in  die  Arme  warf.  Nur  aber  soll  man
nicht  sich  überreden,  dieser  kühne  Sohn  des  Nordens,  welchem
  die  Schlachtgesänge  seiner  Sachsen  und  die  wildbegeisterten
  kriegerischen  Lieder  seiner  Barden  das  Gehoͤr  für
christliche  Litaneien  verdorben  hatten,  werde  sich,  nachdem
er  verächtlich  seinen  donnernden  und  zürnenden  Göttern  den

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Eharakter  des  Gesichts  gelangen.  Wenn  wir  jedoch  uns  glücklich
mit  dieser  frommen  Unpassenheit  abgefunden  haben,  so  tritt  uns
aus  den  ernsten,  beinahe  düstern  Zügen,  Wittekind's  Charakter
mit  vieler  Bestimmtheit  entgegen,  und  nicht  ohne  davon  ergriffen
zu  seyn,  erblicken  wir  darin  den  Auedruck  jener  schwermüthigen
Heldenkraft,  welche,  nach  langem,  ausgekämpften  Streite  mit
einem  feindseligen  Schicksale,  sich  der  Außenwelt  zu  entringen  strebt,
um  sich  in  tiefe,  einsame  Betrachtung  ihrer  selbst  zu  versenken.

Die  hier  gespendete  Copic  ist  dem  Origlnalgemälbe  mit  vieler
Treue  nachgebildet.  D.  Verf.