28  Wittekind  empfaͤngt  die  Taufe.

Räcken  gekehrt,  in  den  schweigenden,  erhabenen  Frieden  der
christlichen  Kirche  flüchten  lernen.  Welcher  Antrieb  ihn  zu
seinem  Uebertritte  bewogen  habe,  dürfte  schwer  zu  bestimmen
seyn.  Vielleicht  glaubte  er,  durch  diesen  Schritt  am  schnellsten
  Carls  Grausamkeit  gegen  die  noch  übrig  gebliebenen
heidnischen  Sachsen  zu  hemmen,  er  hoffte,  dadurch  der  Fürsprecher
  seines  Volkes  bei  dem  strengen  Sieger  werden  zu
können.  Gewiß  bleibt  es,  daß  nur  große,  edle  Motive  den
herrlichen  Wittekind  zu  diesem  Schritte  bewegen  konnten;
seine  auch  hierbei  bewährte  Uneigennützigkeit  bezeugt  dies  am
besten.  Daß  er,  nach  einmal  geschlossener  Freundschaft,
unverbrüchlich  in  seiner  Treue  gegen  Carl  war  und  die  spätern
  Empdrungen  der  Sachsen  gegen  Letztern  nicht  nur  nicht
unterstützte,  sondern  dieselben  mit  Wort  und  That  zu  hemmen
  strebte,  giebt  einen  Beweis  seiner  hohen  Rechtlichkeit.
So  lange  er  das  Schwert  gegen  Carl  führte,  hatte  er  sich
nie  —  wie  andere  sächsische  Edle,  die  gleichwohl  nach  der
Seit  offen  oder  heimlich  gegen  Carl  wirkten  —  auf  dessen
Reichstagen  und  Versammlungen  eingefunden,  sondern  seinen
Haß  gegen  ihn  dadurch  am  besten  bekundet,  daß  er  stolz
seine  Nähe  vermied  und  ihn  nur  im  offenen  Kampfe  aufsuchte.
  Aber  einmal  mit  ihm  ausgesohnt,  hielt  er  streng
die  gelobte  Treue  und  selbst  die  Lockungen  seiner  einstigen
Waffenbrüder  waren  nicht  vermögend,  ihn  abtrünnig  zu
machen.  Furchtbar  in  seinem  Hasse,  wahr  in  der
Versöhnung,  wandellos  in  der  Freundschaft,
unverbrüchlich  im  Gelübde:  sollte  Wittekinds  des
Großen  Grabschrift  heißen.  Strebt  ihm  nach,  Ihr  Fürsten
Deutschlands!  Seyd  ihm  gleich,  die  Ihr  jetzt  das  einst
von  Wittekind  dem  Großen  geführte  Volk  beherrscht!

Daß  Wittekind  sich  in  vielfacher  Hinsicht,  namentlich
durch  geistliche  Stiftungen  u.  s.  w.  eifrig  im  Dienste  der
Kirche  bewies  und  seine  Landesgenossen  ermunterte,  sich
gleich  ihm  taufen  zu  lassen,  zeugt  nicht  sowohl  für  seine
innere  Ueberzeugung,  an  welche  wir  nun  einmal  nicht  glauben
  können,  als  vielmehr  für  seine  Energie  und  seinen  edlen
Stelz,  kraft  dessen  er  eine  Religion  —  welche  er  würdig