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31  Thellung  des  fränkischen  Reiché.

er  nicht  nur  den  Uebermuth  der  Großen  gegen  sich  auf,  sondern
  er  zog  sich  —  einer  Seits  durch  die  Ränkesucht  seiner
Gängler,  anderer  Seits  durch  seine  eigne  Nachgiebigkeit  —
in  seinen  drei  Sohnen  erster  Ehe  eine  Empdrung  groß,  die
schweren  Kummer  auf  das  Haupt  des  guten,  aber  willenlosen
  Fürsten  häufte.  Fast  möchte  man  annehmen,  daß  das
Schicksal  in  dem  Unglück  Ludwigs  des  Frommen  eine  rächerische
  Vergeltung  an  dessen  Vater,  wenn  auch  erst  über
dessen  Grabe,  ausgeübt  hat,  indem  es  Carl  dem  Großen,
der  so  oft  die  Religlon  heuchlerisch  zum  Deckmantel  ehrund
  habsüchtiger  politischer  Pläne  entwürdigt  hatte,  einen
Sohn  zum  Nachfolger  gab,  der,  zu  seinem  Verderben,  sich
durch  seine  wirkliche  Frömmigkeit  eben  so  sehr  in  seiner
Thatkraft  hemmen  und  entnerven  ließ,  eben  so  viel  durch
sie  verlor,  als  Carl  mit  seiner  erheuchelten  Frômmigkeit  zu
agiren,  zu  wuchern  und  zu  gewinnen  wußte.  Während,
durch  Ludwigs  Kraftlosigkeit  genährt,  innere  Kriege  an  dem
noch  jungen  Staatsgebaude  des  heimgegangenen  großen  Carls
rüttelten,  machten  sich  die  fremden,  unterjochten  Völker  diese
Unordnung  zu  Nutze  und  entzogen  sich  dem  Joche,  welches
Carls  System,  hin  und  wieder  zwar  scheinbar  locker,  aber
desto  fester  und  haltbarer,  ihnen  umgelegt  hatte.  Ja,  als
Ludwig  das  kummerschwere  Vaterhaupt  zum  Todesschlummer
beugte,  wütheke  der  Kampf  noch  unter  seinen  Söhnen  gegen
einander  fort.  Die  Vermittelung  der  Großen  endigte  noch  zu
rechter  Zeit  diesen  Bruderkrieg,  welcher  Carl  des  Großen
Schspfung  in  ihrem  innersten  Herzen  zu  vernichten  drohte.
Die  drei  Brüder  schritten,  in  Folge  des  Vertrags  zu  Verdun,
  zu  einer  Theilung  der  durch  Carl  den  Großen  gewonnenen
  Länder.  Lothar  erhielt  die  Kaiserkrone,  mit  ihr  Italien,
  Heloctien  und  Lothringen,  Carl  (der  Kahle  genannt)
Frankreich,  und  Ludwig  Deutschland,  zu  welchem  auf  dem
linken  Rheinufer  die  Städte  Mainz,  Worms  und  Speyer
mit  ihren  Gebieten  kamen.  Hierdurch  ward  Deutschland  ein
selbstständiges  Reich,  welches  es  auch  blieb  und  das  die
Sachsen,  Franken,  Baiern,  Alemannen,  Friesen  und  Thüringer
  als  einzelne  Vöôlkerschaften  in  sich  vereinigte.