Deutschland  als  selbsistndiges  Reich.  35

Durch  diese  ersprießliche  Ausschdlung  Deutschlands  aus
einer  Masse  verworrener  Verhältnisse  und  verfeindeter  Elemente
  gelangte  dieses  Reich,  nach  längerm  Schwanken  und
Siechthume,  allmälig  wieder  zu  Kräften,  und  Ludwig  wirkte
zweckmáßig  darauf  hin,  diesen  für  Deutschland  gewonnenen
innern  Halt  immer  mehr  zu  begründen  und  zu  befestigen.
Er  suchte  sich  gegen  die  häufigen  raduberischen  Einfälle  der
slavischen  Vodlkerschaften  —  wie  die  Serben,  Czechen,  Obotriten
  2c.  2c.  —  durch  Anlegung  von  Burgen  und  festen
Plätzen  zu  schützen  und  erlaubte,  aus  gleicher  Absicht,  seinen
größern  Vasallen,  Burgen  zu  gründen.  Er  setzte  tapfere
und  geprüste  Männer  zu  Gränzwächtern  ein,  unter  denen
uns  Ludolf,  als  Herzog  von  Sachsen  und  muthmaßlicher
Abkdmmling  von  Wittekind  dem  Großen,  am  bemerkenswerthesten
  ist.  Obschon  diese  Würde,  mit  welcher  Ludolf
bekleidet  ward,  keine  erbliche  war,  so  ward  sie  es  doch  in
einem  gewissen  Sinne  durch  seine  Macht  und  seinen  Einfluß.
  Die  Frage  dieser  Erblichkeit  führte  später  zu  einem
Kriege.  Man  wollte  von  Heinrich,  dem  Sohne  des  sächsischen
  Herzogs  Otto,  verlangen,  daß  er,  nach  dem  Tode
seines  Vaters,  dessen  Lehen  vorerst  in  die  Hände  des  Königs
  niederlegen  sollte,  wodurch  ihm  diese  wahrscheinlich  für
immer  entzogen  worden  wären.  Aber  der  muthige  Füngling
griff,  ohne  sich  weiter  auf  Erklärungen  einzulassen,  zu  den
Wasffen,  und  verjagte  diejenigen,  welche  man  wahrscheinlich
in  seines  Vaters  Lehen  eindrängen  wollte.  Da  diese  Vertriebenen
  die  Söhne  des  verstorbenen  thüringischen  Markgrafen
  Burchard  waren  und  Heinrich  ihre  Besitzungen  unter
seine  Vasallen  vertheilte,  so  verschwimmt  hierdurch  der  Riß,
welcher  bisher  Sachsen  und  Thüringen  trennte,  und  beide
Länder  fliessen  von  nun  an  mehr  in  Eines  zusammen.  Vom
Kdnig  Konrad,  dem  er  den  Gehorsam  verweigert,  mit  Krieg
bedroht,  stellte  sich  Heinrich  demselben  kühn  entgegen,  schlug
bei  Eresburg  dessen  Bruder  und  bewährte  einen  solchen
Muth,  daß  der  König,  statt  ihm  zu  zürnen,  ihn  bewunderte
  und  ihn  sogar,  mit  Uebergehung  seines  eigenen  Bruders,
  den  deutschen  Fürsten  als  Nachfolger  auf  dem  deutschen

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