Markgraf  Gero.  41

Räckwege  aber  wurde  der  Rest  dieser  ungarischen  Abtheilung,
durch  die  Besaungen  der  benachbarten  Festungen  Hebesheim
und  Werla  gänzlich  aufgerieben.  Ein  gleiches  Loos  erfuhr
eine  andere  ungarische  Abtheilung,  welche,  durch  einen  heimlich
  von  den  Sachsen  gewonnenen  slavischen  Wegweiser  listig
in  einen  sumpfigen  Wald  gefuͤhrt,  dort  von  den  Sachsen
umringt,  zum  groͤßten  Theil  niedergehauen  und  die  Uebrigen,
nebst  ihrem  Anfuͤhrer,  gefangen  wurden.  Diese  Niederlagen
bewogen  die  uͤbrigen,  an  der  Bode  gelagerten  Ungarn,  nicht
weiter  vorzudringen,  sondern  eilig  in  ihre  Heimath  zuruͤckzukehren.


Nach  dem  im  naͤmlichen  Jahre  erfolgten  Tode  des  saͤchsischen
Grafen  Siegfried,  theilte  Otto  dessen  Herrschaft  dem  Markgrafen
  Gero  *)  zu,  welcher  ihm  vielleicht  in  den  vorangegangenen
  Kaͤmpfen  gute  Dienste  geleistet  hatte  und  dadurch  am
besten  berufen  war,  die  deutsche  Graͤnze  gegen  die  Meutereien
der  Serben  zu  schuͤtzen  und  dem  Berufe  eines  Gränzgrafen
dadurch  kraftig  zu  entsprechen.  Dies  erbitterte  des  Koͤnigs
aͤlteren  Halbbruder  Thankmar,  welcher  —  da  er  des  verstorbenen
  Siegfrieds  naͤchster  Verwandter  —  auf  deffen  erledigte
Mark  Anspruͤche  machte.  Da  er  nicht  gehoͤrt  wurde,  ging  er  zu
dem  noch  lebenden  Bruder  Koͤnig  Conrads,  dem  Herzog  Eberhard
  von  Franken,  der  —  weil  er  fruͤher  in  Mißhelligkeiten
mit  Koͤnig  Otto's  anderem  Bruder  Heinrich  gerathen,  und
von  Otto  dafuͤr  bestraft  worden  war  —  eben  zu  Feindseligkeiten
  gegen  Letztern  zu  schreiten  im  Begriff  stand.  In  dem
darauf  entbrannten  Kampfe  errangen  Eberhard  und  Thankmar
  anfangs  einige  Vortheile,  indem  sich  der  mit  Otto  gespannte
  Graf  Wichman  und  Herzog  Hermann  von  Schwaben
zu  ihnen  sthlugen;  doch  fiel  in  dem  von  Otto  belagerten  Eresburg,
  Thankmar  durch  die  voreilige  Waffe  eines  Kriegers  am

*)  Nach  v.  Leutsch's  Angabe  begriff  Gero's  Mark  in  sichz  1)  die
Mark  Merseburg  mit  Zeitz,  Meißen  und  der  Mark  Christians
  (Gau  Serimunt  oder  das  vierte  Stück  von  Nordthüringen),
  nebst  der  Aufsicht  über  Lausitzer  und  Milziener  und  dem
Grenzkrieg  gegen  Boleslav  von  Böhmen,  2)  die  bisherige  Mark
Gero's  nebst  der  Aufsicht  über  die  Heveller.