Matkgraf  Gero.  43
durch  einige  unzufriedene  Edle  in  der  Mark  Gero's  unterstuͤtzt,

  zuletzt  nicht  weniger  bezweckten,  als  den  Kdnig  beie

der  im  nächsten  Jahre  941  in  Quedlinburg  zu  haltenden
Osterfeier  zu  ermorden  und  Heinrich  zum  Könige  auszurufen.
Aber  auch  dieser  Mordanschlag  ward  verrathen.  Otto  feierte
sein  Osterfest  mit  so  vieler  Vorsicht,  daß  die  Verschwornen
nicht  an  ihn  herankonnten,  und  ließ  sodann  die  Verschwornen
  ergreifen  und  hinrichten,  seinen  Bruder  aber  in  gefängliche
  Haft  führen.  Otto,  welcher  bei  so  vielfachem,  gegen
ihn  wachen  Verrathe,  diejenigen,  welche  sich  ihm  als  treu
bewährt,  doppelt  zu  schätzen  wußte,  ehrte  auch  Gero  dadurch,
  daß  er  ihm,  nach  Markgraf  Thietmars  Tode,  auch
dessen  Mark  *)  noch  verlieh,  wodurch  nunmehr  der  ganze
Halberstädter  Sprengel  unter  Gero's  ausschließlichen  Besehl
kam.  Gero's  gewaltiges  Glück  sollte  sich  bald  noch  mehren;
als  der  dem  Konig  Otto  getreue  Hevellerfürst,  Tugumir,
starb,  schlug  Otte  auch  dessen  Mark  Brandenburg  mit  dem
zwischen  der  Elbe  und  Oder  liegenden  Lande  zu  Gero's  Mark.
Man  umfaßte  die  sämmtlichen  ausgebreiteten  Besitzungen  dieses
  eben  so  sehr  vom  Glück  gekrnten,  als  durch  eine  überaus
  kluge,  wenn  auch  bisweilen  etwas  trübe  Politik  geleiteten,
  kraftvollen  Mannes  unter  dem  Namen:  Osisachsen.
Gewiß  ist  es,  daß  Gero  der  Großmuth  und  dem  außerordentlichen
  Vertrauen  seines  Königs  auf  alle  Weise  entgegen
kam  und  durch  mehrfache  wichtige  Dienste  sich  dessen  Dank
verdient  hat.  Einer  der  bedeutendsten  dieser  Dienste  war

wohl  der,  größtentheilSs  durch  ihn  errungene  Sieg  über  die

Wenden  im  Jahre  955.  Die  slavischen  Stmme  hatten  sich
neuerdings  gegen  die  Eintheilung  ihrer  Ländereien  in  Gaue,
gegen  die  Einmischung  des  Königs  in  ihre  Verfassung  empdrt,
  und,  da  man  ihnen  nicht  willfahrte,  waren  ven  ihnen

Feindseligkeiten  begonnen  worden,  die,  anfangs  von  einem

*)  Nach  Ebend.  lag  Thiletmar's  Grafsschaft  nach  der  Elbe  zu  und
erstreckte  sich  über  die  Gaue  Harthago,  Derlingo,  ein  Stück
von  Nordthüringen,  und  wahrscheinlich  auch  über  Heilanga,

Mosidi  und  Belra.  Seine  Aufsicht  richtete  sich  besonders  gegen
die  Redarter.