44  Markgraf  Gero.

ziemlich  guͤnstigen  Erfolge  gekroͤnt,  ernsthafter  zu  werden
drohten.  Koͤnig  Otto  drang  gegen  sie  vor  und  fand  an  den
Ufern  der  Dosse  seine  aus  Obotriten,  Circipanern,  Redariern
und  Tollenzern  bestehenden  Feinde  sich  gegenuͤber.  Wie  ungeduldig
  auch  der  König  die  Entscheidung  einer  Schlacht  herbeiwünschte,
  so  sah  er  doch  ein,  daß  den  Feinden  in  dieser
Stellung,  wo  die  dazwischen  fliessende  Dosse  ihn  von  denselben
  trennte,  nicht  füglich  beizukommen  sey,  ja  seine  Lage
war  um  so  bedenklicher,  da  in  seinem  Rücken  umherschweifende
  Slavenschwärme  ihm  jede  Verbindung  mit  Sachsen
abschnitten,  mithin  einen  Rückzug  dußerst  schwierig  machten,
und  daher  binnen  Kurzem  Hungersnoth  über  sein  Heer  hereinzubrechen
  drohte.  Tiefbekümmert  wendete  er  sich  an  Gero,
welcher  mit  dem  wendischen  Fürsten  Stomef  eine  Unterredung
einging  und  ihm  eine  Schlacht  anbot,  welche  dieser  jedoch,
von  der  gefahrvollen  Lage  des  deutschen  Heeres  wohlunterrichtet,
  höhnend  abschlug.  Der  kampfbegierige  Gero  knirschte
über  diese  ablehnende  Antwort  und  versicherte  den  Wenden,
daß  der  morgende  Tag  unausbleiblich  die  Schlacht  und  ihre
Entscheidung  bringen  sollte.  Die  Wenden,  welche  dies  für
eine  leere  Formel  hielten,  sahen  wirklich  am  andern  Tage
zu  ihrer  Belustigung,  wie  die  Deutschen  Wurfgeschütze,  Steine
und  Pfeile  nach  dem  Ufer,  welches  die  Wenden  besetzten,
herüberschleuderten,  und  drängten  sich  begierig  dem  Orte  des
Angriffes  zu,  weil  sie  überzeugt  waren,  daß  dieser  Angriff
dem  deutschen  Heere  Vernichtung  bringen  müsse.  Während
so  der  Wenden  Aufmerksamkeit  nach  einer  falschen  Stelle
geleitet  wird,  eilt  jedoch  Gero  mit  einer  getreuen  Schaar
durch  Waldung  und  Busch  nach  einem,  eine  Meile  von
jener  Stelle  entfernten  Orte,  woselbst  der  Uebergang  möglich
  wird,  schlägt  in  bewundernswürdiger  Geschwindigkeit
drei  Brücken  über  den  Strom  und  führt  das  mit  einem  Male
ihm  nacheilende  Heer  glöcklich  hinüber.  Die  Wenden,  die
mit  Verwunderung  das  plotzliche  Verschwinden  des  schon
zum  Angriff  fertigen  deutschen  Heeres  gesehen  haben  und
weit  entfernt  sind,  die  Ankunft  des  Feindes  von  einer  andern
  Seite  her  zu  vermuthen,  werden  jählings  auf  ihrem