Markgraf  Gero.  45

ufer  von  den  Deutschen  uͤberfallen,  ehe  sie  noch  in  Schlachtordnung
  getreten,  und  mit  schwerem  Verluste  —  unter  ihren
Todten  befand  sich  auch  der  um  einen  Tag  fruͤher  noch  so
uͤbermuͤthige  Stomef  —  in  die  Flucht  geschlagen.  Gero's
letzte  Waffenthat  war  ein  Sieg  uͤber  die  Polen  und  die  zu
ihnen  abgefallenen  Lausitzer,  die  er  beide  unter  seine  und
seines  Herrn  Botmaͤßigkeit,  und  dadurch  die,  durch  oͤftere
Aufstaͤnde  und  Einfälle  der  Slaven  so  oft  veränderte  Serbenmark
  in  ihr  bestimmtes  Terrain  zurück  brachte.  Er  bezahlte
  diesen  Sieg  theuer,  denn  sein  einziger  Sohn  Siegfried
deckte  die  Wahlstatt.  In  ihm  starb  für  Gero  jede  Lebensfreude,
  und  der  Preis,  für  welchen  er  ein  langes,  thätiges
Leben  durchkämpft  und  dem  Glücke  Macht  und  Reichthum
abgerungen  hatte,  war  dahin.  Er  gab  noch  zweckmäßige
Verordnungen,  um  das  ihm  gehörige  Gebiet,  welches  er
kraftvoll  und  klug  zusammen  zu  kämpfen  und  zusammen  zu
halten  verstanden,  fest  zu  stellen  und  zu  sichern.  Dann  aber
legte  er  das  weltliche  Schwert  nieder,  wallfahrete  nach
Rom  zu  St.  Petrus  Stuhl,  stiftete  das  Kloster  Gerenrode,
  ließ  sich  in  die  Brüderschaft  zu  St.  Gallen  aufnehmen,
und  starb  am  19.  Mai  965  im  60.  bis  70.  Jahre  seines
Alters.

Nach  Gero's  Tode  zerfiel  dessen  Limes  in  fünf  Marken,
um  deren  Besitz  und  Verlust  sich  in  den  folgenden  Jahren
ein  zu  buntes  Gewirr  von  Begebenheiten  kleinerer  Art  drängt,
als  daß  wir  uns,  das  größere  Ziel  einer  Volksgeschichte  im
Auge,  mit  den  vorübergehenden  Schicksalen  dieser  Marken
weiter  beschäftigen  könnten;  zumal  wir  nunmehr,  aus  dem
Dunkel  der  sächsischen  Vorgeschichte,  uns  einer  Zeit  nähern,
die  sich  allmlig  in  bestimmtern  Formen  ausspricht  und  in
einer,  sich  immer  mehr  schließenden  Perspective,  unserer  Gegenwart
  zustrebt.  Je  weniger,  durch  noch  unvollendete  Abgeschlossenheit
  dußerer  Gränzen,  sich  noch  eine  Volksgesammtheit,
  eine  bezeichnende  Nationalität  ausgebildet  hat,  desto
flüchtiger  werden  wir  über  die  Ereignisse  dahingehen;  dagegen
  später  auch  um  so  besonnener  uns  bei  jeder  bezeichnenden

bis