1127

50  Conrad  von  Wettin.

Nach  Markgraf  Ecbert's  Tode  ertheilte  im  Jahre  1090
Kaiser  Heinrich  IV.  Meißen  und  die  Niederlausitz  dem  Grafen
Heinrich  von  Eilenburg  aus  dem  Hause  Wettin.  Als  derselbe
  im  Jahre  1103  mit  Tode  abging,  war  sein  Sohn,
Heinrich  der  Jüngere,  noch  nicht  geboren.  Dies  veranlaßte,
daß  man  ihn,  den  erst  nach  des  Vaters  Tode  Gebornen,
nicht  für  ächt  anerkannte;  der  Kaiser  vergab  die  Mark  seines
Vaters  an  dessen  Oheim,  Timo  von  Wettin,  und  als  dieser
bald  darauf  starb,  behielten  seine  Söhne,  Dedo  und  Conrad,
  den  markgräflichen  Titel  bei,  und  machten  ihrem  Vetter,
  Heinrich,  die  Acchtheit  seiner  Geburt  streitig.  Die  hieraus
  entstehenden  Verwirrungen  und  Feindseligkeiten  endigten
sich  durch  den  Tod  Dedo's  und  Heinrich  des  Jüngern  (im
Jahre  1127),  dessen  Gefangener  Conrad  gewesen  war.  Dieser
  doppelte  Todesfall  und  noch  andere  zusammentreffende
glückliche  Umstände  machten  Conrad  mit  einem  Male  zum
Erben  Beider,  und  sicherten  ihm  die  markgräfliche  Würde  für

1136  Meißen.  Durch  den  Tod  Heinrichs,  des  Markgrafen  zu

1146

Lausitz,  kam  Conrad  auch  zum  Besitze  der  Lausitzer  Markgrafschaft.
  Im  Jahre  1145  unternahm  er,  der  Sitte  damaliger
  frommer  Herren  gemäß,  einen,  angeblich  schon  den
zweiten  Zug  in  das  gelobte  Land.  Während  derselben  Zeit
starb  seine  Gemahlin  Luitgard  auf  einer  Besuchsreise  im
Kloster  Gerbstädt,  und  der  hier  eingesehte  Graf  Hoyer  von
Manzfeld  ließ  sie  auch  daselbst  begraben.  Dies  aber  nahm
Conrad,  als  er  auf  seiner  Rückreise  in  Baiern  diese  Nachricht
  erhielt,  gewaltig  übel;  er  setzte  einen  Schwur  darauf,
er  werde  dem  Hoyer  so  warm  machen,  daß  dieser  den  Leichnam
  mit  seinen  Händen  wieder  ausgraben  folle.  Hoyer
aber  stahl,  aus  Furcht  vor  Conrads  Zorn,  die  Leiche  zur
Nachtzeit  aus  dem  Kloster  und  sendete  sie  nach  Wettin,
worauf  sie  Conrad  mit  vielen  Feierlichkeiten  in  dem  von  ihm
ausgebauten  Kloster  Pctersberg  beisetzen  ließ.

Im  Jahre  1146  zeigte  sich  Conrad  bei  den  Verhandlungen
  gegen  Polen  thátig.  Boleslav  von  Polen  war  im
Jahre  1138  gestorben  und  hatte  das  Land  unter  seine  fünf
Söhne  getheilt,  jedoch  so,  daß  der  älteste  derselben,  Wladis-