Conrad  von  Wettin.  51

lav,  das  meiste  bekam.  Allein  dieser  wollte  sich  selbst  mit
diesem  größern  Erbtheile  noch  nicht  begnuͤgen,  sondern  suchte
auch  das  Besitzthum  seiner  Brüder  an  sich  zu  reißen,  was
er  um  so  leichter  bewerkstelligen  zu  können  hoffte,  da  er  eine
Stiefschwester  des  deutschen  Kdnigs  Conrads  zur  Gemahlin
hatte.  Ehe  jedoch  dieser,  sein  kdniglicher  Schwager  ihm  thätige
  Hülfe  gewähren  konnte,  hatten  die  Brüder  ihn  bereits
für  seine  Hinterlist  und  Habsucht  gezüchtigt,  indem  sie  ihn
aus  dem  Lande  jagten.  Conrad,  an  welchen  sich  der  Vertriebene
  zuvorderst  wendete,  unternahm  um  seinetwillen  mit
den  sächsischen  Fürsten  einen  Zug  nach  Polen,  vermochte
aber  nicht,  ihm  wieder  zum  Besitz  seiner  Länder  zu  verhelfen,
  indem  die  Brüder  ihm  ein  tüchtiges  Heer  aufzeigten.
Besonders  aber  durch  Markgraf  Conrads  Vermittelung  —
welcher,  von  der  Lausitz  aus  Nachbar  der  Polen  war  und
als  solcher  bei  ihnen  im  Ansehen  stand  —  kam  es  zwischen
den  Parteien  zum  Vergleiche;  wodurch  das  schon  gefährdete
Ansehen  des  Konigs  erhalten  wurde.

Das  Jahr  1147  brachte  einen  zwar  ernsthaften,  dabei  aber
ziemlich  lächerlichen  Kampf  herbei.  Um  dem  fortwährenden
Drängen  und  Auffordern  des  Pabstes  zu  einem  Kreuzzuge
gegen  die  Ungldubigen  nach  ihrer  Art  nachzukommen,  dabei
aber  doch  der  Unbequemlichkeit  —  erst  in's  ferne  Morgenland
ziehen  zu  müssen  —  überhoben  zu  sein,  suchten  die  Sachsen,
Dänen  und  Polen  ihre  Ungläubigen  in  der  Nähe.  Sie  ließen
  sich  als  Streiter  Gottes,  mit  dem  Kreuze  bezeichnen,
zogen  aber,  statt  gegen  die  etwas  zu  entfernt  wohnenden
Saracenen,  gegen  die  benachbarten,  ebenfalls  noch  zum  größten
  Theile  heidnischen  Obotriten.  Der  mit  einem  ungeheuren
Anlaufe  begonnene  Kampf  scheint  jedoch  ziemlich  unwesentliche
  Resultate  gebracht  zu  haben.  Der  Obotriten  =  Fürst
Niclot  kam  seinen  christlichen  Gegnern  zuvor,  überrumpelte
Lübeck,  beraubte  die  dort  im  Hafen  liegenden  Kauffahrteischiffe
  und  spielte  der  ganzen  Gegend  schlecht  mit.  Auch  batte
er  Demmin  so  stark  befestigt,  daß  die  Kreuzfahrer,  welche
es  zu  belagern  unternahmen,  sich  vergeblich  die  Koͤpfe  davor
zerstießen.  Mittlerweile  kam  es  unter  den  Streitern  Gottes

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