52  Conrad  von  Wettin.

selbst  zu  Händeln  und  Streitigkeiten,  daher  fand  man  es
für  gerathener,  den  Kreuzzug  aufzuheben.  Die  Wenden  zeigten
  sich,  da  man  sie  darum  anging,  so  gefällig,  den  Kreuzfahrern
  zu  versprechen,  daß  sie  sich  taufen  lassen  und  die
Gefangenen  frei  geben  wollten.  Sie  sollen  aber  nur  die
Alterschwachen,  welche  sie  nicht  mehr  zu  Sklavendiensten
gebrauchen  konnten,  freigegeben,  die  jüngern  arbeitsfähigen
Gefangenen  dagegen  klüglich  für  sich  behalten  haben.  So
glorreich  endigte  sich  der  mit  erkünsteltem  Glaubensfeuer  entzundete
  Kreuzzug.

Mit  Sweno,  dem  Kaiser  Friedrich  I.  im  Jahre  1152  zu
Merseburg  die  dänische  Krone  aufsetzte,  war  Markgraf  Conrad
  schon  am  Hofe  König  Conrads  in  so  innige  Freundschaft
  getreten,  daß  er  ihm  seine  Tochter  Adelheid  zur  Gattin
  gab.  Aber  Sweno  machte  seinem  Schwiegervater  keine
große  Ehre;  er  bewies  sich,  seit  seiner  Thronbesteigung  so
tyrannisch,  daß  er  sich  Alles  verfeindete,  und  deßhalb  von
seinem  nächsten  Vetter,  Waldemar,  dem  Sohne  des
wendischen  Königs  Canut,  angegriffen  wurde.  Sweno  suchte
seiner  durch  gute  Manier  los  zu  werden;  er  beredete  ihn
zu  einem  gemeinschaftlichen  Besuche  zu  Conrad,  und  muthete
dann  seinem  Schwiegervater  zu,  den  Prinzen  festzunehmen.
Aber  Conrad,  als  er  vernahm,  daß  Sweno  demselben  sein
königliches  Wort  auf  sichere  Fahrt  gegeben,  ward,  obschon
er  früher  in  politischen  Angelegenheiten  nicht  immer  streng
gewissenhaft  zu  nennen  war,  doch  über  diese  ihm  zugemuthete
  niedrige  Verratherei  heftig  aufgebracht,  und  erklärte
sich  zornig:  es  gezieme  sich  nicht,  daß  man  von  ihm,  als
einem  bejahrten  Herrn,  Dinge  verlange,  zu  welchen  er  selbst
in  seiner  Jugend  sich  nicht  hergegeben  haben  würde.  Ja  er
fügte  das  für  Sweno  wenig  schmeichelhafte  Gelübde  hinzu,
daß  er  lieber  Schwiegersohn,  Tochter  und  Enkel  am  ersten
Galgen  sehen,  als  seinem  guren  Namen  einen  solchen  Schandfleck
  anheften  möge.  Dagegen  erbot  er  sich  Sweno  für  den
Fall,  daß  er  dem  Waldemar  einen  offenen  ehrlichen  Kampf
erklären  wollte,  zu  thätiger  Hilfe.  Beschämt  kehrte  Sweno
in  sein  Land  zurück,  aus  welchem  er  aber  bald  darauf  ver-