Tod  Conrads  von  Wettin.  53

jagt  wurde.  Doch  gelang  es  ihm,  nachdem  er  sich  zu  seinem
  Schwiegervatet  gefluͤchtet,  und  mehrere  Jahre  bei  demselben
  zugebracht  hatte,  spaͤter  Heinrich  den  Loͤwen  für  sein
Recht  zu  gewinnen,  der  ihn  kämpfend  in  sein  Land  zurück
führte  und  ihm  zu  einem  Vergleiche  verhalf,  der  aber  auch
nicht  für  lange  ausreichte.

Nach  einem  bewegten  und  thaten=  wie  folgenreichen  Leben
  faßte  Markgraf  Conrad  den  Entschluß,  den  weltlichen
Fährerstab  aus  der  Hand  zu  legen.  Er  scheint  mit  einigen
seiner  Thaten  —  vielleicht  aus  seinen  früheren  Jahren  her,
namentlich  in  Bezug  auf  seinen  Vetter,  den  jungen  Heinrich  von
Eslenburg  —  nicht  ganz  zufrieden  gewesen  zu  seyn,  ja  sogar
Gewissensbisse  darüber  empfunden  zu  haben,  und  hoffte  durch
eine  kirchliche  Hauptcur  sich  derselben  am  besten  zu  entledigen.
  Daher  traf  er  die  ndthigen  Verordnungen  rücksichtlich
der  Theilung  seiner  Besitzungen  unter  seine  Kinder,  und  confirmirte
  dem  Kloster  Petersberg  alle  Güter.  Dann  begab
  er  sich  in  Person  noch  diesem  Kloster  und  ließ  sich
daselbst  am  30.  November  1156  als  Klosterbruder  einkleiden.
Viele  vornehme  Herren  wohnten  dieser  feierlichen  Handlung
bei,  die  ihnen  dergestalt  zu  Herzen  ging,  daß  sie  haͤufige
Thränen  vergossen.  Es  scheint  aber,  daß  den  neuen  Laienbruder
  die  heilige  Seelenerbauung,  die  ihm  ward,
doch  das  Weltliche  nicht  ganz  vergessen,  ja  sogar  eine  neue
Sehnsucht  nach  Letzterem  in  ihm  wach  werden  ließ.  Der
Tod  kam  vielleicht  noch  zu  rechter  Zeit,  um  Conrad  vor  einem
  Räcktritte  zu  bewahren.  Er  starb  nach  zwei  Monaten  seiner
Einkleidung,  am  5.  Februar  1157  im  59.  Jahre  seines  Alters
  und  ward  in  der  Klosterkirche  zu  Petersberg  an  der
Seite  seiner  vorangegangenen  Gemahlin  Luitgard  begraben.

Obschon  Conrads  Leben  weder  an  innerem  Reichthume,
noch  an  rauschendem  Wechsel  der  Begebenheiten  einen  Vergleich
  mit  dem  des  Markgrafen  Gero  (s.  d.  vorherg.  Abthl.)
aushält,  so  besteht  doch  unbestreitbar  zwischen  Beiden  eine
gewisse  Aehnlichkeit.  Beide  wurden  durch  eine  Reihe  glücklicher
  Umstände  zu  Herren  eines  bisher  geschiedenen  Ländervereines,
  sie  griffen  Beide  wesentlich  in  das  Schicksal  ihrer

1156

1157