1173

54  Markgraf  Dietrich.

Lehnsherren  ein  und  verdankten  diesen  vorzugsweise  ihre  Macht.
Beider  Glück  gründete  sich  auf  ihre  Kraft  und  Geschicklichkeit,
eben  so  sehr  aber  auch  auf  eine  nicht  immer  vollig  lautere
Politik;  in  Beiden  erwachte,  nach  einem  vom  Glück  beinahe
übersättigten  Leben,  der  Ueberdruß  gegen  weltlichen  Einfluß,
theilweise  wohl,  besonders  bei  Conrad,  von  einem  nicht  ganz
reinen  Bewußtseyn  veranlaßt,  und  nach  Beider  Tod  zerfiel
ihr  Besitzthum  in  kleinere  Marken.  Jedenfalls  steht  Conrad
durch  die  Forterbung  seines  Stammnamens  und  durch  zufällige
  Rückbeziehang  spaäterer  Zeiten  und  Begebenheiten  auf
seine  Erscheinung,  bei  weitem  bedeutungsvoller  da,  als  durch
seinen,  wenn  auch  nicht  unerheblichen  innern  Gehalt.  Daß
neuere  Geschichtschreiber  ihn  bald  den  Großen,  bald  den  Reichen
  nennen,  geschieht  —  wie  auch  an  einem  Orte  *)  sehr
richtig  bemerkt  wird  —  nur  in  Rücksicht  und  im  Vergleich
zu  seinen  Vorfahren,  welche  wenig  Macht  besessen  hatten.
Den  sehr  beildufigen  Zunamen  des  Frommen  verschaffte  ihm
die  Geistlichkeit,  wegen  der  von  ihm  bewerkstelligten  und
ausgeführten  Gründung  des  Petersklosters,  welches  mit  reichen
  Götern  von  ihm  beschenkt  ward.

Zufolge  der,  nach  Conrads  Tode  erfolgten  Theilung  seiner
  Besitzungen  unter  seine  Soöhne,  erhielt  Dietrich  das
Markgrafthum  Lausitz  und  einen  Strich  um  Landsberg  und
Eilenburg.  Er  bauete  Landsberg  und  Schilda,  und  stiftete
ausserdem  das  Cisterzienserkloster  Dobrilugk.  Er  war  feurigen,
  ungestüämen  Gemüthes  und  ein  Freund  der  Waffen,
daher  er,  gemeinschaftlich  mit  Heinrich  dem  Lowen,  im  Jahre
1160  die  Obotriten  angriff,  in  welchem  Kampfe  die  Legteren
bedeutend  in  die  Enge  geriethen  und  ihr  Fürst  Niclot,  nach
heldenmöthigem  Widerstande,  umkam.  Sein  Sohn  Conrad
theilte  sein  Temperament,  griff  im  Jahre  1173  einen  gewissen
  Wulrad  von  Griets,  der  mit  einer  räduberischen  Horde
Einfälle  und  Streifüüge  unternahm,  tapfer  an,  erschlug  und
fing  ihm  eine  Menge  Leute,  und  jagte  ihn  zurück.  Aber

)  Ritters  älteste  meisnische  Geschichte.  Leipzig  1780.