Markgraf  Dietrich.  50

bei  einem  Turnier  in  Oesterreich  ward  im  Jahre  1175  der
junge  Held  durch  einen  Lanzenstoß  getddtet.  Beinahe  hätte
die  väterliche  Fürforge  des  Erzbischofs  Wichmann  von  Magdeburg
  ihn  um  das  Begräbniß  gebracht.  Dieser  geistliche
Herr  hatte  nämlich,  weil  in  kurzer  Zeit  vorher  sechszehn
Ritter  bei  ähnlichen  Kampfspielen  das  Leben  eingebüßt  hatten,
  die  Turniere  bei  Strafe  des  Bannes  verboten.  Semit
gestattete  er  auch  nicht  daß  der  erstochene  Conrad,  als  Einer,
der  den  Bann  verwirkt,  begraben  werden  durfte.  Doch  ließ
er  sich  nachher  durch  einen  Fußfall,  welchen  Dietrich  und
seine  Brüder  vor  ihm  thaten,  von  diesem  Verbote  abbringen,
  und  gab  —  natürlich  mit  einigen  geistlichen  Weitschweifigkeiten
  —  die  Erlaubniß,  den  jungen  Fechter  zu  begraben.
Wahrscheinlich  dürfte  es  ihm,  als  geistlichem  Herrn,  auch  nach
politischen  Vernunftgesetzen,  nicht  eigentlich  zugestanden  haben,
es  den  Leuten  zu  verwehren,  sich  nach  eigner  Lust  und  Belieben
  in  Turnieren  und  sonstigen  ritterlichen  Nichtsbedeutenheiten
  todtstechen  zu  lassen.  —

Sonst  zeigte  sich  Markgraf  Dietrich  als  ein  kraftiger,
von  edlem  Stolze  mehr,  als  von  kirchlichem  Lammsinne  geleiteter
  Herr.  Besonders  legte  er  Proben  davon  im  Angesichte
des  Stuhlerben  St.  Petri  ab.  Als  der  große  Hohenstaufenheld,
  Kaiser  Friedrich  Barbarossa,  im  Jahre  1176  hart
von  seinen  Gegnern  und  dem  weltlich=  weibischen  Uebermuthe
der  Mutter  Kirche  bedrängt  wurde,  und  der  hohe  kaiserliche
Held  —  nicht  zu  seiner,  sondern  zur  Schmach  seiner  widerspenstigen
  Vasallen  —  sich  gendthigt  sah,  mit  dem  übermuthigen
  Sohne  St.  Peters,  dem  Pabste  Alexander  III.  in
Friedensunterhandlungen  zu  treten,  mußte  sich  der  Kaiser
nebst  den  ihn  anhängigen  Fürsten,  unter  welchen  auch  Dietrich,
  nach  Venedig  begeben,  um  dort  vom  Pabste  wieder  in
den  Schoos  der  Kirche  ausgenommen  zu  werden.  Der  heldenmüthige
  Kaiser  mußte  —  ewige  Schmach  für  die  nebelvolle
  Zeit  des  leuchtenden  Hohenstaufen!  —  barfuß  und  mit
Ablegung  des  Herrschermantels  vor  dem  Pabste  erscheinen,
vor  ihm  niederknieen  und  ihm  die  Füße  küssen,  um  von  ihm
den  Friedenskuß  und  die  Wiederaufnahme  in  den  Schoos

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