56  Markgraf  Dietrich.

der  Kirche  zu  erflehen.  Der  Pabst  war  unedel  genug,  sich
an  dem  Anblicke  des  gedemüthigten  Helden  zu  weiden  und
ließ  den  Kaiser  über  die  Gebühr  lange  vor  sich  knieen.  Die
dem  Kaiser  gefolgten  deutschen  Fürsten  mochten  ergrimmen;
aber  sie  schwiegen.  Nur  Markgraf  Dietrich  fragte,  in  edlem
Zorn  erglühend,  den  Kaiser  mit  lauter,  unmuthiger  Stimme:
wie  er  die  kaiserliche  Würde  solcher  Schmach  unterwerfen
könne?  Der  Pabst,  welcher  kein  Deutsch  verstand,  dem  aber
der  Ton  der  Stimme  bedenklich  klingen  mochte,  ließ  sich  von
einem  der  umstehenden  Dietrichs  Worte  übersetzen,  und,
vielleicht  fürchtend,  daß  die  kühnen  Worte  des  stolzen  Sachsen
  einen  mit  seiner  päbstlichen  Glorie  nicht  gut  stimmenden
Widerhall  finden  mochten,  hob  er  eiligst  den  Kaiser  auf  und
ertheilte  ihm  den  Friedenskuß.

Ueberhaupt  giebt  Dietrich,  trotz  seiner  kurzen  Laufbahn,
uns  vielfache  Beweise  eines  nicht  nur  tapfern,  sondern  auch
treuen  Gemüthes  und  eines,  die  Vorurtheile  seiner  Zeit  hoch
überfliegenden  Verstandes.  Dafür  zeigt  seine,  trotz  kirchlicher
  Bannstrahlen,  treue  und  begeisterte  Anhänglichkeit  an
den  großen  Friedrich  Barbarossa,  welche  er  mit  eignen  schweren
  Opfern  durchführte.  In  den  Feindseligkeiten,  welche
zwischen  Kaiser  Friedrich  und  dessen  stoldem  Vasallen,  Heinrich
  dem  Löwen,  ausbrachen,  gab  sich  Dietrich  als  Einer  der
muthigsten  Gegner  des  Löwen  kund  und  half  die  gegen  denselben
  ausgesprochene  Acht  vollstrecken.  Dagegen  sielen,  von
Heinrich  gesendet,  die  Pommerischen  und  märkischen  Slaven
in  Dietrichs  Lande  ein,  sengten  und  brannten  und  schleppten
Männer  und  Weiber  mit  sich  hinweg.  Darüber  ergrimmte
Dietrich  dergestalt,  daß  er  den  Löwen  aufforderte,  sich  in
Gegenwart  des  Kaisers  mit  ihm  zu  schlagen,  Heinrich  aber
schütbte  vor,  er  könne  nur  in  seinem  eigenen  Lande  gerichtet
werden,  und  wich  sowohl  der  Gegenwart  des  Kaisers  ale
auch  dem  Zweikampfe  aus.  Nach  dem  Falle  des  Läwen
und  als  Alles  sich  gierig  in  dessen  Länder  —  gleich  wie  in
Kleider  des  Gerichteten  —  theilte,  bereicherte  sich  dennoch
nur  Magdeburg  und  Halberstadt.  Dagegen  ist  Meißen,  trotz
der  bestandenen  Verluste,  wie  es  scheint,  leer  ausgegangen.