Dedo  der  Feiste.  —  Markgraf  Otto  der  Reiche.  57
Als  im  Jahre  1184  Kaiser  Friedrich  seinen  Sohn  Heinrich

  in  Mainz  zum  Ritter  schlug  und,  nebst  vielen  Fürsten

und  Herren,  auch  Dietrich  dahin  reiste,  erkrankte  er  dort,  ward
auf  den  Petersberg  zur  Pflege  gebracht,  starb  aber  daselbst
im  Jahre  1185.  Sein  Leben  war  zu  sehr  ein  Spiel  des
Schicksals,  und  obendrein  eines  feindseligen  gewesen,  als  daß
die  ihm  inwohnende  Kraft  sich  wirksam  geltend  zu  machen
Seit  gewonnen  hätte.

Das  erledigte  Erbe  und  Lehn  ging  auf  Dietrich's  Bruder,
Dedo,  genannt  der  Feiste  oder  Dicke,  über.  Von  der
Wittwe  seines  Vaters-Bruders  Dedo,  einer  Tochter  Graf
Wiprecht's  zu  Groitsch,  an  Sohnesstelleangenommen,  erhielt
er  deren  Eigenthum  Groitsch.  Das  Leben  dieses  Mannes
ist  ziemlich  schnell  und  thatenlos  vorübergegangen,  wohl  aber
war  seine  Todesart  eine  eben  so  fürchterliche  als  sonderbare,
ja  lächerliche.  Da  seine  Körperdicke  ihm  immer  lästiger  wurde,
so  erbot  sich  ein  Quacksalber,  ihm  ohne  Gefahr  das  überflüssige
  Fett  auszuschneiden  und  die  so  entfettete  Haut  sodann
wieder  zuzuheilen.  Der  arme  Dedo  war  gläubig  genug,  sich
dieser  schmerzhaften  Operation  zu  unterwerfen,  war  jedoch
todt,  ehe  dic  vom  Fette  erleichterte  Haut  wieder  zuzuheilen
brauchte.  Er  hatte  das  Kloster  Tschillen,  spater  Wechselburg
  genannt,  gestiftet,  woselbst  er  begraben  liegt  und  wo
man  in  der  alten  Klosterkirche  wahrscheinlich  noch  jetzt  das
in  Stein  gehauene  Bild  des  dicken  Dedo  sieht.  Seinen  zwei
Sbhnen,  Conrad  und  Dietrich,  war  ein  kurzes  Lebensziel  gestellt
  und  Beide  sind  ohne  erhebliche  Ergebnisse  vorübergegangen.


Der  älteste  Sohn  Conrads  von  Wettin,  Otto,  führte  die
Meißner  Stammlinie  fort;  die  Entdeckung  der  Freiberger
Bergwerke,  welche  für  Sachsen  von  so  wichtigen  Folgen
war,  erwarb  ihm  den  Beinamen  des  Reichen.  Im  Jahre
1162  stiftete  er  das  Kloster  Alten  =  Celle  an  der  Mulde,  und
vollendete  dessen  Bau  im  Jahre  1175.  Leicht  dürfte  die  Erbauung
  dieses  Klosters,  wodurch  man  sich  mit  den  Eigenschaften
  des  dortigen  Bodens  näher  bekannt  machte  und  auf
dessen  Gehalt  aufmerksam  werden  konnte,  Anlaß  zu  der  Ent-1181



1185

1190

1162
1175