58  Markgraf  Otto  der  Reiche.

deckung  der  dortigen  Bergwerke  gegeben  haben.  Gewoͤhnlich
  erzaͤhlt  man  sich  von  dieser  Entdeckung:  daß  einige  Fuhrleute,
  welche  Salz  von  Halle  nach  Boͤhmen  gefuͤhrt  und  auf
ihrem  Wege  in  die  Freiberger  Gegend  gekommen,  mitten
auf  der  Straße,  ein  wahrscheinlich  durch  die  Raͤder  der
Frachtwagen  herausgewuͤhltes  Stuͤck  Erz  gefunden.  Da  ih—
nen  dasselbe  einige  Aehnlichkeit  mit  dem  Goslarischen  Erz
gehabt,  so  hätten  sie  es  mit  nach  Goslar  gebracht  und  den
dortigen  Bergleuten  gezeigt,  welche  sogleich  dessen  Güte  erkannt
  und  nunmehr  den  Boden  genau  untersucht  hätten.
Die  Stadt  Freiberg,  deren  Entstehung  man  in  das  Jahr
1171  setzt,  ward  im  Jahre  1175  von  dem  Markgrafen  sowohl
  bedeutend  erweitert  und  verschönt,  als  auch  mit  Ringmauern
  und  Gräben  befestigt  und  mit  einer  Burg  versehen.
Auch  verlieh  der  Markgraf  den  dorthin  sich  wendenden  Einwohnern
  große  Freiheiten  und  Vortheile;  daher  man  diesen
Ort  den  Freiberg,  die  Burg  den  Freiheitstein  (später  Freudenstein)
  nannte.  Auf  diese  Weise  wuchs  die  junge  Stadt  gar
schnell  an  Größe,  Ansehen  und  Bevölkerung,  und  ward  bald
eine  der  bedeutenderen  Städte,  obschon  sie  ursprünglich  nur
aus  zweien,  zusammengezogenen  Dörfern,  Christiansdorf  und
Loßnitz  bestand  und  nur  den,  in  immer  größerer  Anzahl  hierher
  berufenen  Bergleuten  zum  Wohnorte  diente.  —

Je  mehr  durch  die  reiche  Ausbeute  der  Freiberger  Bergwerke,
  Otto  Mittel  in  die  Hände  bekam,  desto  mehr  suchte
er  auch  seine  Besitzungen  zu  erweitern  und  zu  sichern.  Daher
  umgab  er  nebst  Freiberg,  auch  die  Städte  Leipzig  und
Eisenberg  mit  festen  Mauern,  und  kaufte  im  Osterlande  und
Thüringen  eine  beträchtliche  Anzahl  Schlbôsser  und  Güter  an
sich.  Dies  machte  den  damaligen  Landgrafen  von  Thüringen,
Ludwig  III.  eifersüchtig,  indem  er  meinte,  Otto  wollte  vielleicht
  auf  diese  Weise  allmählig  ganz  Thüringen  an  sich  bringen.
  Es  kam  darüber  sogar  zum  Kriege,  in  welchem  Otto
den  kürzern  zog  und  gefangen  auf  die  Wartburg  abgeführt
wurde.  Durch  Einmischung  des  Kaisers  ward  er  zwar  wieder
  in  Freiheit  gesetzt,  doch  scheint  es,  daß  er,  mit  Ausnabme
  —  z.  B.  Weißenfels  —  die  im  Osterlande  und  in  Thu-