Markgraf  Otto  der  Reiche.  59

ringen  erkauften  oder  „gewetteten“,  d.  h.  Pfandweise  angenommenen
  Güter  und  Schlbsser  größtentheils  wieder  herausgeben
  mußte.

Otto  hatte  von  seiner  Gemahlin  Hedwig,  einer  Tochter
des  Albert  von  Brandenburg,  zwei  Söhne:  Albrecht  und
Dietrich.  Erstern  als  den  ältesten  Sohn,  hatte  er  zu  seinem
Nachfolger  in  der  Mark  bestimmt,  den  jüngern  aber  mit  andern
  Gütern  abgefunden.  Seine  Gemahlin  aber,  welche
viel  über  ihn  vermocht  zu  haben  scheint  und  die  den  jüngeren
Sohn  mehr  als  den  dltern  begünstigte,  überredete  ihn,  ein
neues  Testament  niederzulegen,  und  darin  die  den  altern  zustehenden
  und  zagestandenen  Rechte  auf  den  jüngern  überzutragen.
  Hierüber  griff  Albrecht  zu  den  Waffen,  nahm  seinen
Vater  gefangen,  und  hielt  ihn  auf  dem  Schlosse  Dewin
(Döben)  in  Haft,  gab  ihm  Graf  Conrad,  einen  Sohn  Dedo's
des  Feisten  —  der  damals  noch  lebte,  und  also  wahrscheinlich
mit  Albrechts  Unternehmen  einverstanden  war  —  zum  Wächter
  und  verlangte  die  Wiederherstellung  des  frühern  Testaments,
  in  welchem  ihm  die  Nachfolge  in  der  Mark  zugedacht
  war.  Es  scheint,  daß  man  Albrechts  Fehde  gegen
seinen  Vater  —  rroh  des  Unnatürlichen  dieser  Handlung  —  zu
jener  Zeit  doch  den  politischen  Rechtsgrund  nicht  ganz  versagen
  konnte,  denn  Herzog  Bernhard,  der  leibliche  Bruder  der
Markgräfin  Hedwig,  welche  doch  die  eigentliche  urheberin
dieses  Streites  war,  rieth  Albrecht  zu  diesem  Schritte  und
unterstützte  ihn.  Selbst  Otto's  nächste  Verwandte  mögen  —
wie  man  aus  Conrad's  Beispiele  sieht  —  den  Widerruf  des
erstern  Testaments  gemißbilligt  haben.  Dennoch  verlangte
Kaiser  Friedrich  I.,  welchen  eine  damals  unternommene
Rüstung  zu  einem  Kreuzzuge  von  thätigerem  Einschreiten  abbielt,
  die  Freilassung  Otto's.  Hierauf  fielen  sich  jedoch  Vater
und  Sohn  noch  einmal  an,  bis  König  Heinrich,  Friedrich's
Nachfolger,  sich  darein  mengte  und  1189  zu  Würzburg  einen
Frieden  vermittelte.  Doch  mochten  diese  die  Natur  beleidigenden
  Kämpfe,  denen  vielleicht  die  Hetzereien  der  Gattin  und
des  jüngern  Sohnes  stete  Nahrung  boten,  den  Geist  des
alten  Fürsten  in  einen  fortwährenden  grollenden  Schmerz

1189