60  Markgraf  Otto  der  Reiche  —  Markgraf  Albrecht.

versenkt  haben,  der  an  seinem  Leben  nagte  und  ihn  kurj
nach  Abschluß  des  Würzburger  Vertrags,  wahrscheinlich  schon
am  18.  Februar  1189,  von  der  Weltbühne  abrief.  Sein
Leben  ward,  ausser  vorübergehenden  Streitigkeiten,  von  keinen
bedeutenden  Erscheinungen  bezeichnet,  und  die  unter  ihm  gestifteten
  Bergwerke  zu  Freiberg  sind  wohl  das  wichtigste  und
folgenreichste  Ereigniß  seiner  Regierung.  Sonst  gehoͤrte  er
zu  den  schwachen  und  willenlosen  Fürsten,  und  ließ  sich  von
seiner  Gattin,  so  wie  diese  wiederum  durch  die  Einflüsterungen
  der  Geistlichkeit,  meist  zu  seinem  Nachtheile  leiten.
Sein  Sohn  Albrecht  folgte  ihm  in  der  Regierung.
Durch  den  mit  seinem  Vater  zu  Würzburg  geschlossenen  Vergleich
  war  er  verpflichtet,  seinem  Bruder  Dietrich  die  Grafschaft
  Weißenfels  zu  überlassen  und  einige  Schlöôsser  demselben
zu  gemeinschaftlicher  Nutzung,  einzurdumen.  Die  Uneinigkeiten
zwischen  den  Brüdern,  welche  schon  bei  Lebzeiten  des  Vaters  so
lebhaft  ausgebrochen  waren,  konnten  nicht  lange  ruhen;  besonders
  da  Albrecht  so  kühn  war,  einen  von  seinem  Bater
im  Kloster  Celle  niedergelegten  Schatz  von  30,000  Mark  Silber
  (angeblich  von  Otto  für  Seelenmessen  bestimmt),  vom
Altare  weg  entführen  zu  lassen.  Vielleicht  wußte  er  anderwärts
die  Seelenmessen  billiger  zu  bekommen.  Gleichwohl  erhoben
die  Mönche  sowohl  dieses  Klosters,  wie  der  ganzen  Christenheit
  ein  gewaltiges  Geschrei  darüber,  und  wußten,  da  aus
ihnen  gewöhnlich  auch  die  Chronicisten  und  Geschschtschreiber
  jener  Zeit  hervorgingen,  es  dem  Markgrafen  tüchtig  einzureiben,
  indem  sie  ihm  vor  Mit=  und  Nachwelt  allerlei
Böses  andichteten  und  ihm  sogar  den  Beinamen  des  Stolzen
  zu  verschaffen  wußten.  Dietrich,  von  seiner  Frau  Mutter
in  den  geistlich=  weltlichen  Kriegskünsten  unterrichtet  und  zu
einer  Creatur  der  Geistlichkeit  erzogen,  stüchtete  sich  klüglich
hinter  diese  Falten  der  Kirche,  und  ward  dafür  von  den  Mönchen
  dem  stolzen  Albrecht  als  der  gute  unterdrückte  Bruder
entgegengestellt.  Um  seinem  brüderlichen  Gegner  näher  auf
dem  Halse  zu  seyn,  bauete  Albrecht  nahe  vor  Weissenfels
auf  dem  Sibtenberg  eine  Trutzfestung;  Dietrich  aber,  zu
schwach,  um  Widerstand  zu  leisten,  flüchtete  zu  Landgraf