Markgraf  Albrecht.  61

Hermann  von  Thüringen,  welcher  ihm  Hälfstruppen  gewährte,
dabei  aber  ihm  auch  die  Hand  seiner  etwas  unschönen  Tochter
  in  den  Kauf  gab.  Hierauf  wurde  Albrecht  nicht  nur
vom  Sibtenberge  weggeschlagen,  sondern  er  erlitt  auch  durch
den  Landgraf  bei  Reveningen  eine  so  entscheidende  Niederlage,
  daß  er  nur  als  Mdnch  verkleidet,  auf  den  Petersberg,
  und  von  da  nach  Leipzig  entweichen  konnte.  Markgraf
  Albrecht's  kurzes  weiteres  Leben,  bildet  eine  Reihe  von
Mißgeschick,  denn  der  deutsche  König  Heinrich  VI.,  welcher
  unter  dem  Scheine  des  Rechtes  nur  seine  selbstsüchtigen
  Pläne  versteckte,  brachte  ihn  noch  tiefer  in  Bedrängniß,
wahrscheinlich  weil  er  ein  heimliches  Verlangen  nach  den
Freiberger  Silberbergwerken,  Albrechts  Eigenthum,  hatte.
Am  25.  Juni  1195  starb  Albrecht  unterwegs  in  Krummen=  1195
heinrichsdorf,  wie  man  behauptet  an  Gift,  welches  ihm  durch
einen  seiner  Leute,  Namens  Hugold,  beigebracht  ward.  Wer
diesen  zu  der  That  gedungen,  bleibt  unentschieden,  doch  fiel
der  Verdacht  zum  Theil  auf  den  Konig  Heinrich,  welcher,
wie  schon  erwähnt,  ein  besonderes  Gelüsten  nach  Albrechts
Besitz  trug.  Kurze  Zeit  darauf  starb  auch  seine  Gemahlin
Sophie,  eine  Prinzessin  von  Böhmen,  ebenfalls  an  erhaltenem
  Gifte.  Albrecht  ward  in  Altencelle  an  der  Seite  seines
Vaters,  mit  welchem  er  im  Leben  hart  gekämpft,  begraben.
Obschon  Troß  und  Herrschbegierde  nicht  aus  seinem  Charakter
  weg  zu  läugnen  sind,  so  ist  ihm  doch  Kraft,  Beharrlichkeit
  und  Muth  nicht  abzusprechen.  Die  Mönche,  welche  er
durch  Entwendung  des  Schatzes  beleidigt  hatte,  und  die  seinen
  von  ihnen  geleiteten  Bruder  an  ihm  rächen  wollten,
haben  sein  Andenken  entstellt  und  seinen  Prozeß  vor  der
Nachwelt  verfälscht.  Wenn  man  bedenkt,  daß  er  schon  seit
früher  Jugend  gegen  die  Intriguen  einer  ränkevollen,  von
kirchlicher  Diplomatik  geleiteten  Mutter,  gegen  die  Schwäche
eines  willenlosen,  ihm  entfremdeten  Vaters,  und  gegen  den
Uebermuth  eines  vorgezogenen,  verzärtelten  Bruders  anzukaͤmpfen
  hatte,  so  findet  manches  Nauhe,  das  auf  seiner  Erscheinung
  ruht,  und  mancher  gewaltsame  Schritt,  der  ihn  vor
der  Nachwelt  verdächtigt,  Entschuldigung;  zumal  das  Miß-