1197

1206

62  Markgraf  Dietrich.

geschick,  welches  zuletzt  Partei  gegen  ihn  nahm,  unser  Mit-Hefühl
  erregt  und  für  das,  was  er  gefehlt,  gewiß  keine  zu
milde  Abrechnung  mit  ihm  hielt.

Dietrich,  welcher  nach  des  Bruders  Tode  sogleich  die
Mark  übernehmen  sollte,  befand  sich  zu  dieser  Zeit  ausser
Landes,  und  da  König  Heinrich  seinem  Gelästen  nach  dem
silberreichen  Lande  immer  unverdeckter  gewähren  wollte,  so
waren  die  anfänglichen  Aussichten  für  Dietrich  ziemlich  trostler.
  Heinrich's  Tod  zu  Messina  im  Jahre  1197  machte
Dietrich  einigermaßen  Luft,  besonders  da  auf  dem  deutschen
Throne  sich  zwei  Parteien  bildeten,  indem  Philipp  von  Hobenstaufen
  und  der  Welfe  Otto  IV.  sich  um  die  deutsche
Krone  stritten,  und  man  bei  diesen  größern  Kämpfen  kleinere
Interessen  fahren  lassen  mußte.  So  gelang  es  Dictrich,  bei
der  thätigen  Hülfe  seines  Schwiegervaters,  Hermanns  von
Thüringen,  sich  im  Besitze  der  Länder  seines  Hauses  zu  behaupten.
  Zu  verwundern  war  es,  daß,  bei  der  genauen
Verbindung  zwischen  Hermann  und  Dietrich,  Ersterer  sich  für
die  Partei  des  Welfen,  Letzterer  für  die  des  Hohenstaufen
enischied.  Diese  Parteinahme  zog  übrigens  Dietrich  und
dessen  Brüdern,  mancherlei  Nachtheile  zu,  besonders  nachdem
Przemislav  Ottokar  von  Böhmen,  der  früher  auf  Philipps
Seite  war,  sich  zu  Otto  geschlagen  und  seitdem  Meißen  von
den  Böhmen  feindlich  behandelt  wurde.  Dietrichs  Verlegenheit
  kam  im  Jahre  1208  Pöhilipp's  Ermordung  durch  Pfalzgraf
  Otto  von  Wittelsbach  zu  Hülfe,  weil  nach  dieser  schauderhaften
  That  Otto  nunmehr  von  allen  Fürsten  anerkannt,
sich  auf  dem  deutschen  Throne  behauptete,  und  dadurch  auch
Dietrichs  früheres  Entgegenwirken  in  Vergessenheit  kam.
Als  später  der  Pabst  mit  Kaiser  Otto  zerfiel,  ihn  in  den
Bann  that  und  den  jungen  Hohenstaufen  Friedrich  II.,  als
Gegen-Kaiser  vorschlug,  trat  Dietrich  auf  des  Letztern  Seite,
fiel  jedoch  wieder  zu  Otto  ab,  als  dieser  (1212)  wieder  nach
Deutschland  kam,  und  bei  den  Sachsen  und  Thüringern  Unterstützung
  fand.  Als  nach  der  unglücklichen  Schlacht  bei
Bovines,  Otto's  Hoffnungen  zertrümmert  wurden,  ging  Dietrich
  wieder  zu  Friedrich  über,  kurz  er  hat,  als  eine  ganz  ge-