Markgraf  Dietrich.  63

wöhnliche  Creatur  der  Umstände,  seine  Farde  mit  gewaltsamer
  Schnelligkeit  gewechselt.  Seine  faule  unbedingte  Gläubigkeit
  nicht  an  die  Religion,  sondern  an  die  Monche  und
Geistlichen,  half  ihn  stürzen.  Hatte  er  sich  durch  seine  blinde
Anhänglichkeit  an  diese  Leute  schon  seit  längerer  Zeit  bei  Bürger
  und  Adel  verhaßt  gemacht,  so  stieg  die  Abneigung  gegen
ihn,  als  er  in  Leipzig  den  Bau  des  Thomasklosters  unternahm
  und  dadurch  nicht  nur  der  Stadt  von  ihrem  zugehdrigen
  Grund  und  Boden  raubte,  sondern  auch  die  Besorgniß
erregte,  daß  das  geistliche  Regiment  nunmehr  der  Stadt
Leipzig,  welche,  von  Otto  dem  Reichen  bevorzugt,  schon  damals
  durch  Handel  und  Verkehr  aufzublühen  begann,  noch
besser  zusetzen,  oder  daß  man  dieses  Kloster  wohl  gar  wie
eine  Festung  gegen  die  Stadt  ansehen  werde.  Die  Bürger,
von  dem  mißvergnügten  Adel  unterstützt,  vertrieben  den  Probst;
ja  es  kam  so  weit,  daß  man  Meuchelmorder  nach  Eisenberg
gegen  den  Markgrafen  absendete.  Zwar  verfehlten  diese  ihren
Zweck;  aber  die  fälschliche  Nachricht  seines  Todes  verstärkte
den  Aufruhr,  in  welchem  Dietrich  dergestalt  in  die  Enge  getrieben
  wurde,  daß  er  (1216)  der  Stadt  Leipzig  in  Allem
nachgeben  und  feierlichst  versprechen  mußte,  sie  mit  allen
Mauerbauen  zu  verschonen,  und  ihre  frühere  Gerichtsbarkeit
beizubehalten.  Gleichwohl  ließ  er  sich  spater  von  diesem  Versprechen
  wenig  binden.  Als  ein  Mann  Gottes  d.  h.  als
ein  Freund  der  Geistlichkeit,  erhielt  er  durch  diese  auch  immer
Lösungsmittel,  um  seine  Eide  zu  brechen.  Mit  Hilfe  Kaiser
Friedrich's  II.,  welcher  1218  in  das  Meißner  Land  kam,
gelang  es  ihm,  Leipzig,  bei  einem  angeblich  friedlichen  Besuche,
verrätherisch  zu  überrumpeln,  wodurch  er  Gelegenheit  erhielt,
dieser  Stadt  einen  Theil  der  ihm  abgedrungenen  Rechte  und
Freiheiten  wieder  zu  entreißen,  ihre  Mauern  und  Waͤlle  zu
vertilgen  und,  um  sie  fortan  besser  in  seiner  Gewalt  zu  haben,
  ihr  drei  feste  Schlösser  hinzubauen,  welche  er  mit  markgräflicher
  Besatzung  versah.  Von  diesen  drei  Schlbssern
welche  Dietrich  erbaute,  ist  nur  die  Pleissenburg  noch  vorhanden;
  das  andere  ist  das  jetzige  Paulinum;  das  dritte
stand  an  dem  Barfüßer  Thore.  Dieses  treulose  Verfahren

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