64  Markgraf  Dietrich.  —  Heinrich  der  Erlauchte.

des  Markgrafen,  erbitterte  ihm  die  Gemuͤther  nur  noch  mehr.
Der  gereizte  Adel  fand  einen  Beistand  an  dem  Bischof  von
Magdeburg,  welcher,  als  Gegentrotz  zu  Dietrichs  Schloͤssern,  das
ihm  gehdrige  Städchen  Taucha  ebenfalls  mit  einem  festen
Schlosse  versah.  Diesen  fortdauernden  Unruhen  ward  erst
mit  Dietrich's  Tode  ein  Ziel  gesteckt;  er  starb  im  Jahre
1221,  wie  man  glaubt,  an  beigebrachtem  Gifte,  welches  ihm
die  Rache  der  Leipziger,  oder  des  mißvergnügten  Adels  durch
seinen  Leibarzt  mischte.

Dictrich's  Charakter  zeigt  sich  im  ganzen  Laufe  seiner
Lebens=  und  Regentenzeit  dußerst  schwankend  und  unselbstständig,
  daher  man  weder  sein  anfängliches  Glück  gegen  seinen
  Bruder  Albrecht  ihm  zum  Verdienste,  noch  seine  Wortbrüchigkeit
  ihm  zum  unmittelbaren  Vorwurfe  machen  kann.
An  seiner  eignen  Krast  mit  Recht  verzweifelnd,  warf  er  sich
mit  Leib  und  Seele  in  die  Arme  einer  herrsch=  und  geldgierigen
  Geistlichkeit,  es  war  mehr  noch  polttische  Zaghaftigkeit
und  Unsicherheit,  als  Religiosität,  welche  ihn  zu  ihrem  Lenker
  machte.  Die  Monche  leisteten,  wie  geistige  Wucherjuden,
seinem  Gewissen,  welches  immer  gern  Etwas  wagte  und  doch
sich  nie  recht  getraute,  steten  Vorschub,  sie  reichten  ihm  Beschdnigungsmittel
  gegen  sein  eigenes  Bewußtseyn,  ja  bisweilen
wohl  auch  Unterstützung  dar,  und  so  mußte  Dietrich  —
als  ein  vom  Sturme  der  Begebenheiten  rastlos  geheßter,
passiver  Schwächling  sich  wohl  dahin  ftüchten,  wo  ihm  geistiger
  Trost  und  politische  Auskunftsmittel  vereint  geboten
wurden.  Ewig  schlaftrunken,  mußte  er  mit  einer  gewaltigen
Zeit  unbehaglich  kämpfen;  man  hat  ihm  daher  den  mitleiderweckenden
  Beinamen:  der  Bedrängte,  gegeben,  der
wohl  historisch  richtiger  in  das  Prädicat:  der  Beschränkte,
umgewandelt  werden  dürfte.  Er  ward  in  Altencelle  neben
seinem  Vater  Otto  begraben.

Dietrich  hinterließ  bei  seinem  Sterben  drei  Söhne.  Die
beiden  ältesten,  Dietrich  und  Heinrich,  widmeten  sich  dem
geistlichen  Stande,  und  wir  finden  jenen  als  Bischof  von
Naumburg,  diesen  als  Domprobst  von  Meißen  wieder.  Der
jüngste,  Heinrich,  spaͤter  mit  dem  Zunamen  des  Erlauchten