1237

1217

66  Heinrich  der  Erlauchte.

Braut,  Herzog  Friedrich,  eifersüchtig,  und  er  war  unaufmerksam
  genug,  in  die  Freuden  der  Brautnacht  unversehends
mit  gezücktem  Schwerte  hereinzubrechen  und  dem  bestünten
Paare  so  lange  zuzusetzen,  bis  es  auf  den  Brautschatz  verzichtete.


In  Heinrich  entwickelten  sich  frühzeitig  die  Anlagen
eines  Kriegers  Schon  im  Jahre  1237  wohnte  er,  fünfhundert
  meißnische  Vasallen  daherführend,  einem  Zuge  gegen
die  ungläubigen  Preußen  bei  und  zeichnete  sich,  zur  Freude
und  zom  Vortheile  des  deutschen  Herrenordens,  rühmlichst
aus.  Dagegen  war  das  Glück  in  eincr  andern  Sache  gegen
ihn.  Die  beiden  Brandenburger  Markgrafen,  Otto  und
Johann,  hatten  die  Städte  Köpenik  und  Mittelwalde  —
welche  der  Markgraf  Dietrich  von  Meißen  im  Jahre  1210
zugleich  mit  der  Lausitz  an  sich  gebracht  hatte  —  in  Anspruch
  genommen.  Obgleich  der  richterliche  Ausspruch  sich
für  Heinrich  entschied,  so  wollten  die  beiden  Brandenburger
doch  ihre  Ansprüche  nicht  fahren  lassen,  sondern  vielmehr
mit  gewassneter  Hand  behaupten.  In  den  mehrfachen,  hierüber
  entbrannten  Gefechten  siegten  die  Brandenburger,  und
obschon  Heinrich  Unterstützung  bei  den  Bischöfen  von  Magdeburg
  und  Halberstadt  fand,  so  vermochte  er  doch  nicht,
die  fraglichen  Städte  zu  behaupten,  sondern  mußte  sie  endlich
  den  Markgrafen  von  Brandenburg  gut  oder  böse  überlassen.


Bedeutend  wichtiger,  als  diese  Kleinkämpfe,  war  der
thüringische  Erbfolgekrieg,  welchen  Heinrich  führte.  Heinrich
  Raspe,  der  Thüringer,  den  der  Pabst  Innocenz  IV.  zum
Gegenkaiser  des  Hohenstaufen  Friedrichs  II.  aufrief,  war  gefallen;
  bei  Reutlingen  geschlagen,  starb  der  nicht  unheldenmüthige
  Abentheurer,  der  mit  einem,  jener  Zeit  so  eigenen
Ritterleichtsinne  den  tödtlichen  Wurf  um  eine  Kaiserkrone
versucht  hatte,  im  Februar  1247  auf  der  Wartburg.  In
ihm  war  der  Mannsstamm  der  regierenden  landgräflichen
Linie  in  Thüringen,  das  sogenannte  Geschlecht  der  Ludewinger,
  ausgestorben,  und  er  hatte,  um  jeden  Erbfolgestreit  zu
vermeiden  —  denn  er  ging  kinderlos  aus  der  Welt  —  die