Heinrich  der  Erlauchte.  69

ihres  Sohnes  Rechte  besorgt.  Sie  bereute,  die  Verwaltung
der  Länder  desselben  einem  so  mächtigen  und  selbstständigen
Fürsten,  wie  Heinrich,  in  die  Hände  gespielt  zu  haben,  und
eilte,  diese  Vormundschaft  aufzuheben.  Dies,  so  wie  auch
ihre  Ansprüche  auf  Hessen,  konnte  keinen  besondern  Einspruch
erleiden,  wohl  aber  erklärte  sich  der  Markgraf  sehr  entschieden
  gegen  ihre  Anspruche  auf  Thüringen  und  leistete,  zu
ihrem  Jammer,  sogar  den  von  ihr  verlangten  Schwur  auf
die  Ribbe  ihrer  Mutter,  der  heiligen  Elisabeth,  um  sein  gutes
  Recht  darzuthun.  Sophia,  in  heftigen  Eifer  gerathend,
wußte  sich  jehzt  nicht  anders  zu  helfen,  als  daß  sie  durch
Gewalt  der  Waffen  Heinrich  aus  Thüringen  zu  vertreiben
suchte.  Ihr  eigner  Stiefsohn,  Herzog  Heinrich  VI.  von  Brabant,
  leistete  eben  so  wenig,  wie  der  rheinische  Städtebund,
dem  sie  sich  angeschlossen,  ihr  die  ndthige  Unterstützung;  dagegen
  wußte  sie  sich  den  mächtigen  und  tapfern  Herzog  Albrecht
  von  Braunschweig  dadurch  zum  Freunde  zu  gewinnen,
  daß  sie  ihm  ihre  Tochter  Elisabeih  vermählte  und  dessen
Schwester  Adelheid  mit  ihrem  zehnjährigen  Sohne  Heinrich
verlobte.  Dies  brachte  den  Markgraf  Heinrich  allerdings  in
nicht  unbedeutende  Verlegenheit,  er  sah  sich  gendthigt,  den
Gudensberg  zurückzugeben,  dagegen  gedachte  er  sein  sonstiges
  thüringisches  Erbe  hartnäckig  zu  vertheidigen.  Albrecht
fiel  mit  einem  Hcere  in  Thüringen  ein  und  errang  einige
Vortheile.  Der  Krieg  währte  von  1256  bis  1263,  mithin
sieben  Jahre;  man  trieb  sich  von  Burg  zu  Burg,  Festungen
wurden  genommen  und  wieder  abgejagt,  aufgebaut  und  geschleift.
  Das  Ganze  gab  ein  buntes,  blutig  bewegtes  Bild
der  Vasallenkämpfe  des  Mittelalters,  wo  der  eigentliche  Gegenstand,
  das  Hauptmotiv  des  Krieges,  in  unzählige  kleinere,
  individuelle  Interessen  sich  zerstäckelnd,  beinahe  in  jedem
  Ayführer  auch  zugleich  eine  eigne  kriegfährende  Macht
fand.  Als  im  Jahre  1263  Albrecht  auf's  Neue  mit  starker
Heeresmacht  in  Thüringen  einfiel,  sah  sich  Heinrich  genothigt,
nach  Meißen,  und  von  da  aus  nach  Böhmen  zurückzuweichen,
  um  dort  neue  Mannschaft  zu  holen.  Verlockt  von  diesem
  gluͤcklichen  Fortgange  seiner  Waffen  drang  Albrecht  mit

1256
bis
1263

1263