70  Heinrich  der  Erlauchte.

seinen  Verbündeten  in  die  Stifter  Naumburg  und  Merseburg
  vor  und  lagerte  sich  sodann  zwischen  Halle  und  Wettin.
  Aber  hier  ward  er  von  dem  tapfern  und  treuen  Schenken
  Rudolph  von  Vargula  und  von  Heinrichs  Söhnen,  Albrecht
  und  Dietrich,  unversehends  üuberfallen,  seine  Truppen
in  die  Flucht  geschlagen,  er  selbst  verwundet  und  mit  vielen,
  der  mit  ihm  verbündeten  Edlen  und  Ritter,  nebst  vielen
Knechten  und  Pferden,  gefangen.  Dieser  schnelle  und  entscheidende
  Sieg  brachte  bald  ganz  Thüringen  unter  Heinrichs
Herrschaft  zurück.  Der  gefangene  Herzog  Albrecht  mußte
sich  mit  schweren  Opfern  lösen,  und  kraft  des  zu  Stande
kommenden  Vergleiches  ward  dem  Markgrafen  Heinrich  der
Besitz  Thüringens  und  der  Pfalzgrafschaft  Sachsen  unbedingt
zugestanden,  wogegen  Sophien  und  deren  Sohne  Hessen,  welches
  durch  acht  von  Herzog  Albrecht  abgetretene  Städte  und
Schlösser  noch  bereichert  wurde,  anheimfiel.  So  kam  Thüringen
  zu  Meißen,  während  Hessen  sich  von  jenem  Lande
trennte  und  als  ein  neuer,  selbstständiger  Staat  aufging.
Durch  diese  Fehden  war  Heinrich  abgehalten  worden,
seine  Ansprüche  auf  die  österreichischen  Lande,  welche  im
1216  Jahre  1246  durch  den  Tod  des  letzten  Herzogs  vom  bambergischen
  Mannesstamme  erledigt  wurden,  geltend  zu  machen.
  Nur  zwei  Schwestern  dieses  letzten  Bambergers,
Friedrichs  des  Streitbaren,  waren  noch  am  Leben,  Margaretha
  und  Constantia,  erstere  die  Wittwe  des  Königs  Heinrich
  VII.,  diese  die  Gemahlin  Heinrichs  des  Erlauchten.
Noch  war  außerdem  vom  letztverstorbenen  Herzog  eine  Tochter,
  Gertrud  vorhanden,  und  an  den  böhmischen  Fürsten
MWladislav  verheirathet,  der,  sogleich  nach  Friedrichs  des
Streitbaren  Hintritt,  von  den  österreichischen  Landen  Besitz
nahm.  Aber  schon  nach  einigen  Monaten  starb  Wladislav;
seine  Wittwe  reichte  ihre  Hand  dem  Markgrafen  Herrmann
von  Baden,  welchem  von  mehreren  Seiten  der  Besitz  von
Oesterreich  zuerkannt  wurde.  Aber  auch  er  starb  nach  zwei
Jahren,  und  hinterließ  einen  Knaben,  Friedrich.  Ihm  suchte
die  Mutter  Gertrud  die  österreichische  Erbfolge  zuzuwenden.
Dies  gab  zu  Händeln  Veranlassung,  und,  um  diesen  Ir-