Heinrich  der  Erlauchte.  71

rungen  ein  Ende  zu  machen,  erklärten  sich  die  österreichischen
Stände  für  Heinrich  den  Erlauchten,  welchem  von  Seiten
seiner  Gemahlin  Constantia  auch  Rechte  darauf  zustanden.
Aber  die  von  den  Ständen  an  ihn  gesendeten  Abgeordneten
hielt,  auf  ihrer  Durchreise,  der  boͤhmische  Konig  Wenzeslav
auf,  weil  er  für  seinen  eignen  Sohn  Ottokar,  Gelüsten  nach
dem  dsterreichischen  Besitzthume  trug.  Um  seine  Absichten
noch  leichter  ins  Werk  zu  setzen,  vermählte  er  Ottokar  im
Jahre  1252  mit  Margarethen,  des  verstorbenen  Herzogs  1252
ältester  Schwester,  wodurch  er  wirklich  dem  Markgrafen
Heinrich  —  der  durch  die  damaligen  thüringer  Kämpfe  zu
sehr  anderwärts  beschäftigt  war,  und  daher  seine  österreichischen
  Angelegenheiten  nicht  lebhaft  genug  betreiben  konnte  —
den  Vorrang  ablief  und  sich  die  öfsterreichischen  Lande  aneignete.
  Gleichermaaßen  leer  ging  Heinrich  mit  seinen  Ansprüchen
  auf  Neapel  und  Sicilien  aus,  welche  ihm  durch
die  Vermählung  seines  Sohnes  Albrecht  mit  Margarethen,
der  Tochter  Kaiser  Friedrichs  II.  erwachsen  waren,  jedoch
wegen  seiner  vielen  andern  Angelegenheiten  nicht  hinlänglich
von  ihm  betrieben  werden  konnten.

Wenn  Heinrich  durch  den  Erwerb  von  Thüringen  die
Macht  und  den  Länderbesitz  der  Meißner  Markgrafen  außerordentlich
  vermehrt  und  dadurch  die  innere  Kraft  des  Landes
  gesteigert  hatte,  so  brachte  er  derselben  durch  die  Theilung
  seines  Besitzes  zwischen  seinen  Söhnen  eine  doppelt
empfindliche  Wunde  bei.  Seinem  dlteren  Sohne,  Albrecht,
der  durch  seine  Heirath  mit  Margarethen,  Kaiser  Friedrichs  II.
Tochter,  den  unterpfändlichen  Besitz  des  Pleißnerlandes  überkommen,
  hatte  er  schon  früher  die  Verwaltung  Thüringens
anvertraut  und  diese  Verwaltung  später  in  ein  Besitzrecht
verwandelt,  so  daß  Albrecht  bereits  Herr  von  Thüringen  und
der  damit  verbundenen  sächsischen  Pfalzgrafschaft  war.  Heinrich's
  jungerer  Sohn,  Dietrich,  erhielt  dagegen  das  ganze
Osterland,  nebst  der  Burg  Landsberg  und  dem  dazu  gehdrigen
  Kreise.  Für  sich  selbst  behielt  Heinrich  nur  die  Laufig,
ingleichen  das  Land  von  der  Mulde  nach  Meißen  und  von
da  an  beiden  Elbufern  nach  Dresden  bis  Böhmen  hin,  wo-