1270

72  Heinrich  der  Erlauchte.

von  er  später  noch  mehrere  Städte  seinem  Sohne  dritter
Ehe,  Friedrich  dem  Kleinen,  überließ.  Er  hatte  sich  hierdurch
beinahe  voôllig  aus  der  Macht  gegeben,  und  nur  zu  früh
sollte  er  diesen  übereilten  Schritt,  der  ihn  jedes  Einflusses
auf  seine  Söhne  beraubte  und  sie  mit  einem  Male  unabhängig
  von  ihm  machte,  bereuen.  Kurz  nach  dieser  Theilung,
  welche  wahrscheinlich  noch  vor  Beendigung  des  thüringischen
  Erbfolgekrieges,  ndmlich  schon  1262,  bewerkstellige
worden  war,  brachen,  man  weiß  nicht  aus  welchen  Gründen,
  Mißhelligkeiten  zwischen  Albrecht  und  Dietrich  aus,
und  1268  steigerten  sich  dieselben  zu  einem  förmlichen  Kriege.
Markgraf  Heinrich's  dltester  Bruder,  der  Erzbischof  Dietrich
von  Naumburg,  sohnte  zwar  die  Brüder  mit  einander  aus;
dafür  aber  wendete  sich  der  undankbare  Albrecht  —  welcher
von  diesen  und  spätern  tadelnswerthen  Handlungen  den
schmeichelhaften  Beinamen  des  Unartigen  erhielt  —  gegen
seinen  eignen  Vater,  welchem  er  jedoch  1270  in  einem  Vergleiche
  geloben  mußte,  sich  jeder  Feindseligkeit  gegen  ihn  für
die  Folge  zu  enthalten.  Noch  ernsthafter,  als  zuvor,  brach
im  Jahr  1275  die  Fehde  zwischen  den  Brüdern,  Albrecht
und  Dietrich  aus,  die  wahrscheinlich  den  Grund  hatte,  daß
Letztterer  Albrechts  Sohne,  Friedrich  und  Dietzmann  —  um
sie  gegen  die  üble  Behandlung  des  Vaters  und  deren  Concubine
  zu  schützen  —  zu  sich  genommen  und  sie,  im  Falle
seines  eigenen  unbeerbten  Sterbens,  zu  seinen  Erben  eingesetzt
  hatte.  Albrecht  brachte  seinem  Bruder  bei  Tennstädt
in  Thüringen  eine  Niederlage  bei,  worauf  es  abermals  zu
einer  Aussèhnung  zwischen  den  Brüdern  kam.

Am  15.  Februar  1288  starb  Heinrich  der  Erlauchte  zu
Dresden  und  wurde  zu  Altencelle  begraben.  Er  konnte  auf
seine  lange,  mehr  als  funfzigjährige  Regierung  nur  mit  gemischten
  Gefühlen  von  Selbstbewußtsein  und  Reue  zurückblicken.
  Er  hatte  einc  reiche  Zeit  durchlebt  und  war,  immer
in  einem  selbstständigen  Interesse,  in  ihren  vollsten  Strudel
hineingerissen  worden.  Das  Glück  hatte  ihm  mit  einer  beispiellosen
  Freigebigkeit  gelächelt  und  der  Gaben,  welche  ihm
dasselbe  zudachte,  waren  so  viele,  daß  er  sie  unmoglich  alle