Markgraf  Albrecht.  75

von  seiner  Gemahlin  abzulenken,  und  eine  wüste,  rücksichtslose
Leidenschaft  in  ihm  zu  erhalten  Von  ihr  verführt,  vergaß
sich  Albrecht  so  weit,  daß  er,  um  Kunigunden  zum  Traualtare
  führen  zu  können,  den  verruchten  Plan  faßte,  sein  herrliches
  Weib  meuchelmordrisch  auf  die  Seite  zu  rdumen.  Ein
Eseltreiber,  welcher  Brod  und  Fleisch  auf  die  Wartburg
brachte,  sollte  das  Bubenstück  vollbringen  und  ließ  sich  dazu
  geneigt  finden;  allein  eine  ungeheuere  Angst  pakte  den
Unglucklichen,  als  er  zur  That  schreiten  wollte,  und,  von  seinem
  Gewissen  getrieben,  entdeckte  er  Margarethen,  was  ihr
gedroht  habe,  und  warnte  sie.  Von  ihren  Freunden,  namentlich
  dem  treuen  Schenken  von  Vargula,  bestürmt,  dachte  die
Landgräfin  auf  Flucht,  welche  sie  auch  am  24.  Juni  1270
auöführte.  Ein  Vorgefühl  des  Nimmerwiedersehens  wehte
durch  die  Seele  der  edlen,  unglücklichen  Frau,  als  sie  von
ihren  Kindern  Abschied  nahm,  und  in  unendlichem  Mutterschmerze
  biß  sie  ihren  zweiten  Sohn,  Friedrich,  beim  Trennungskusse
  krampfhaft  in  die  Wange,  so  daß  er  eine  Narbe
behielt  und  den  Beinamen  des  Gebissenen  davontrug.  Margarethe
  floh  aus  der  Wartburg  nach  Frankfurt  am  Main,
und  die  Bürger  dieser  Stadt  nahmen  sie,  in  dankbarer  Erinnerung
  ihres  großen  Vaters,  ehrerbietig  auf.  Doch  der  Gram
der  verrathenen  Gattin,  der  verwaisten  Mutter,  zehrte  gewaltsam
  an  dem  Leben  der  lieblichen  Tochter  des  großen  unglücklichen
  Hohenstaufengeschlechts,  und  noch  im  nämlichen  Jahre
nahte  ihr  der  Tod.  Ihren  altesten  Sohn,  Heinrich,  nahm
Heinrich  der  Erlauchte  zu  sich  und  übertrug  ihm  später  die
Verwaltung  des  Meißnerlandes,  aus  welchem  ihn  jedoch
nach  einigen  Jahren  sein  eigner  Vater  vertrieb.  Vom  Jahre
1282  wird  dieser  Heinrich  nicht  mehr  genannt,  daher  man
annehmen  darf,  daß  er  um  jene  Zeit  verstorben.  Die  beiden
  jungern  Söhne,  Friedrich  und  Dietzmann,  nahm  Albrecht
des  Unartigen  Bruder,  Dietrich  von  Landsberg,  zu  sich  und
erzog  sie.  Albrecht  aber  heirathete  Kunigunden  nach  der
Flacht  seiner  rechtmäßigen  Gemahlin,  und  ließ  den  früher
mit  Ersterer  erzeugten  unehelichen  Sohn  Apitz  legitimiren.
Ja  er  gab  sich  alle  erdenkliche  Mühe,  diesen  Bastard  zum

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