Markgraf  Friedrich.  79

noch  ein  harter  Schlag  auf  das  Wettinsche  Haus  folgen.
Am  25.  Debr.  1307  wohnte  Dietzmann  in  der  Thomaskirche
  zu  Leipzig,  wo  er  sich  eben  befand,  der  Christmette
bei,  als  plötzlich  aus  dem  Volkshaufen  ein  Mdrder  auf  ihn
lossprang  und  ihm  einen  Stich  versetzte,  an  welchem  er  drei
Tage  darauf  starb.  Man  ist  ungewiß,  auf  wen  man  den
Verdacht  der  Anstiftung  werfen  soll;  auch  hat  man,  hin  und
wieder,  den  ganzen  Vorfall  für  eine  Erdichtung  ansehen
wollen  und  glaubt,  daß  Dietzmann  nur  eines  schnellen,  aber
natürlichen  Todes  gestorben  sey.  Er  wurde  in  der  Paulinerkirche
  zu  Leipzig  begraben.  In  ihm  verlor  Friedrich  seinen
  treuesten  Freund  und  seinen  engverbundenen  Leidensund
  Waffengefährten,  der  durch  gemeinschaftliches  frühes
Mißgeschick  ihm  beinahe  noch  inniger  verbrüdert  war,  als
durch  die  Natur.  Er  scheint  seinem  Bruder  Friedrich  an
Kraft  und  Tapferkeit  wenig  nachgestanden,  wohl  aber  an
Sanftmuth  und  Ruhe  ihn  übertroffen  zu  haben.

Da  der  alterschwache  Albrecht  keine  besonderen  Ansprüche
auf  die  Länder  seines  verstorbenen  Sohnes  Dietzmann  erheben
  mochte,  so  übernahm  Friedrich  dieselben,  und  beinahe
Alles,  was  sich  hisher  geweigert  hatte,  ihn  als  Herrn  anzuerkennen,
  unterwarf  sich  ihm  nunmehr,  so  daß  er  sich  endlich
  im  Besitz  aller  der  umfangreichen  Staaten  sah,  die  seinem
  Vater  und  seinem  Bruder  zugehèrt  hatten.  Dennoch
hatte  er  noch  mit  manchem  widerspenstigen  Gegner  zu  kämpfen.
  Besonders  machten  ihm  die  Erfurter  böses  Blut,  indem
  sie  sich  weigerten,  diejenigen  Stücke  Landes,  welche  sein
Vater  Albrecht,  ohne  sein,  Friedrich's,  Vorwissen  an  sie  verdußert
  hatte,  ihm  herauszugeben.  Es  kam  darüber  zu  vielen
  und  langwierigen  Neckereien  und  Händeln,  die  er  um
so  weniger  schnell  dämpfen  konnte,  da  die  Städter  mehrere,
dem  Markgrafen  erbitterte  Herren  —  wie  die  Aebte  von  Fulda
und  Hirschfeld,  den  Grafen  von  Orlamünde  u.  s.  w.  —  zu  ihren
Verbündeten  gemacht  hatten.  Am  meisten  aber,  unter  allen
seinen  Gegnern,  machte  Friedrichen  der  Markgraf  Waldemar
von  Brandenburg  zu  schaffen,  welche  Fehde  sich  wahrscheinlich
  um  die  Lausitz  entspann.  Es  galt  mehr  ein  gegen-1307

