1321

82  Markgraf  Friedrich.

greise  Held  räthselhaft  tief  von  diesem  nichts  bedeutenden
Schauspiele  ergriffen,  und  verfiel  von  dieser  Zeit  an  in  eine
Schwermuth,  welcher  sich  später  ein  Schlagfluß  zugesellte,
der  eine  voͤllige  Lähmung  der  Glieder,  ja  selbst  der  Zunge
veranlaßte.  In  diesem  qualoollen  Zustande  blieb  der  einst
so  blühende,  kraftvolle  Friedrich  noch  ziemlich  drei  Jahre  an
das  schmerzvolle  Einerlei  eines  siechen  Lebens  gefesselt  und
starb  endlich  am  16.  November  1324,  danach  er  zu  Eisenach
begraben  wurde.  Gewiß  war  Friedrich  einer  der  ritterlichsten
  Fürsten  aller  Zeiten.  Frühzeitig  in  der  Schule  des  Unglücks
  erzogen,  hinweggerissen  von  dem  treuen  Mutterherzen,
verstoßen  und  aufgegeben  von  dem  Herzen  des  Vaters,  sein
rechtmäßiges  Erbe  von  gierigen  Händen  angefaßt,  bildete
sein  ganzes  Leben  einen  steten  Kampf  um  sein  Besitzthum,
er  mußte,  was  ihm  gehbrte,  ewig  krampfhaft  festhalten,
von  einem  Ruhepunkte  in  seinem  Daseyn  ist  kaum  die  Rede.
Daß  aber  Friedrich  unter  Umständen,  wo  eigentlich  seine
ganze  Kraft  sich  nur  auf  das  Nichtverlieren  richten  mußte,
sogar  auch  hin  und  wieder  gewann,  macht  ihn  bewundernswürdig.
  Der  anfangs  nothgedrungene,  später  bisweilen  allerdings
  mehr  auf  eine  kalte  Politik  begründete  Kampf  gegen
seinen  Vater  hatte,  vermoge  seiner  widernatürlichen  Erscheinung,
  vielleicht  manche  zarte,  höhere  Empfindung  in  ihm
abgestumpft;  dennoch  leuchten  durch  Friedrichs  Leben  vielfache
  schöne  menschliche  Empfindungen,  welchen  eine  mildere
Sonne  zu  gönnen  gewesen  wäre,  um  sich  besser  zu  entfalten
und  aufzublühen.  Ein  Held  nicht  nur  im  Kampfe,  sondern
auch  im  Leben,  stieg  mit  ihm  in's  Grab.  Er  hatte  sein
rechtmäßiges  Erbe  kühn  und  unerschütterlich  gegen  den  Haß
eines  unnatürlichen  Vaters,  gegen  den  Uebermuth  mächtiger
Feinde,  gegen  den  Trotz  empdrerischer  Städte  und  Vasallen,
ja  gegen  die  Uebermacht  zweier  deutschen  Könige  behauptet,
und  obschon  oft  hart  bedrängt,  dem  Untergange  nahe,  aller
Hilfe  baar,  selbst  das  Nothdürftigste  entbehrend,  blieb  er  doch
unüberwunden  und  wich  nicht  von  seinem  guten  Rechte.
Wem  füllt  nicht  von  selbst  die  Aehnlichkeit  zwischen  ihm  und