Friedrich  der  Ernsthafte.  83

dem  Heldenkaiser  Friedrich  II.  vom  hohenstausischen  Stamme,
  in  die  Augen?  —

Friedrich  hatte  von  seiner  ersten  Gemahlin  Agnes,  einer
gebornen  Herzogin  von  Kärnthen,  einen  Sohn  Friedrich,  der
Hinkende  genannt,  welcher  jedoch  schon  1315  bei  der  Belagerung
  von  Zwenkau  durch  einen  Pfeilschuß  getödtet  wurde.
Seine  zweite  Gemahlin,  Elisabeth,  beschenkte  ihn  mit  einer
Tochter  gleiches  Namens,  welche  er  dem  Landgrafen  Heinrich
  von  Hessen  vermaͤhlte,  und  mit  einem  Sohn,  Friedrich,  der
Ernsthafte  benannt,  welcher  sein  Nachfolger  wurde.  Als
sein  Vater  starb,  war  er  kaum  vierzehn  Jahre  alt,  daher
stand  er  bis  zum  Jahre  1329  unter  der  Vormundschaft  seiner
Mutter  und  des  Grafen  Heinrichs  des  Aeltern  von  Schwarzburg,
  und,  als  Letzterer  1324  in  der  Schlacht  blieb,  des
Grafen  Heinrich  Reuß,  Voigts  von  Plauen.  Statt  der
von  seinem  Vater  ihm  bestimmten  böhmischen  Prinzessin
Jutta,  ehelichte  er  Mechtild,  die  Tochter  Kaiser  Ludwigs  von
Baiern,  welcher  ihn  im  Jahre  1329  für  volljährig  erklärte.
Wenn  Friedrich  sich  durch  diese  Heirath  den  Kaiser  zum
Verwandten  und  Freunde  machte,  so  hatte  er  sich  dadurch,
daß  er  Jutta'S  Hand  verschmäht,  deren  Vater,  den  König
Johann  von  Böhmen,  zum  Feinde  gemacht,  welcher  ihm  daher
  die  meißnischen  Erbgüter  in  der  Oberlausitz  entriß.
Dagegen  erhielt  er  vom  Kaiser  Ludwig,  statt  der  Mechtilden
zum  Mitgift  bestimmten  10,000  Mark  Silber,  die  Städte
Mühlhausen  und  Nordhausen  verpfändet,  welche  jedoch  Umstände
  machten,  sich  dem  Wettiner  zu  unterwerfen,  und  erst
durch  die  Reichsacht  dazu  gebracht  werden  konnten.  Einem
Aufgebote  seines  kaiserlichen  Schwiegervaters  zufolge,  unterstützte
  Friedrich  den  Kdnig  Eduard  III.  von  England  gegen
Philipp  VI.  von  Frankreich,  zog  1339  Ersterm  zu  Hülfe
und  holte  sich  den  Ritterschlag,  obschon  es  nicht  eben  zu
bedeutenden  Fehden  gekommen  war.  Mit  besonderer  Kraft
strebte  Friedrich,  das  in  Deutschland  immer  mehr  überhand
nehmende  Faustrecht  und  die  Räubereien  der  Edlen  zu  dämpfen.
  Die  Edlen  von  Treffurt,  welche  auf  der  Burg  Nortmannstein
  an  der  Werra  hauf'ten  und,  obgleich  Besitzer  von

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1329

1330