1383

1389

139
1100

88  Friedrich  der  Streitbare.

Lande  der  Fall  war,  welche  die  drei  Fuͤrstensoͤhne  schon  1382
mit  den  Bruͤdern  ihres  Vaters  bestimmt  hatten,  und  in  welcher
  Balthasar  die  Landgrafschaft  Thuͤringen,  Wilhelm  J.  das
Meißnerland,  die  drei  Bruͤder  aber  das  Osterland  sammt
einigem  Zubehoͤr  erhielten,  auch  im  folgenden  Jahre  von
dem  deutschen  Koͤnige  Wenzeslav  von  Boͤhmen,  zu  Nuͤrn—
berg  mit  den  erwaͤhnten  Landen  belehnt  wurden.  Sie  be—
hielten  gemeinschaftlich  die  Regierung,  und  vermehrten  ihre
Besitzungen  1389  mit  der  Stadt  Salfeld,  sammt  dem  Schlosse
gleiches  Namens,  die  sie  dem  Grafen  von  Schwarzburg  abkauften.
  Desgleichen  brachten  sie  vier  Jahr  spaͤter  das
Schloß  Altenberg  bei  Jena  an  sich,  loͤseten  das  Schloß
Leuchtenberg  1396  ein,  und  im  Jahre  1400  kauften  sie  dem
Stifte  Naumburg  die  demselben  früher  als  Lehnsstäcke  gehörigen
  Schlösser,  Schmolln,  Ronneburg  und  Werda  ab.
Friedrich  der  Streitbare  trat  in  ein  Zeitalter,  welchem
nur  seltene  Kraft  und  Beharrlichkeit  die  Spitze  zu  bicten
vermochten;  denn  das  Recht  machte  sich  unbedingt  auf  der
Seite  der  Stärkern  geltend  und  das  Geseß  der  Schwere
war  auch  das  Gesetz  der  Welt  geworden.  Rohe  Kräfte,  die
ewig  geschäftig  waren,  sich  an  einander  zu  reiben,  zermalmeten,
  was  zwischen  ihnen  lag.  Unter  den  Raufereien  der
Vasallen,  die  vielleicht  zuletzt  noch  in  gute  Brüderschaft  ausgingen,
  brannten  Städte  und  Saaten  nieder,  und  es  durfte
dem  Bürger  gleich  seyn,  auf  welches  Herren  Seite  das  Recht
war,  da  in  jedem  Falle  nur  das  Verhältniß  der  dußeren
Krafte  entschied,  ob  sein  Haus  niedergebrannt,  sein  Heerd
zertrümmert  werden  solle.  Gegen  diese  Ungebührnisse  sollte
Friedrich  auftreten,  und  cs  war  eine  seiner  größten  Aufgaben,
  sie  zu  tilgen;  denn  er  mußte  allen  kämpfenden  Parteien
zugleich  Feind  seyn,  wenn  er  den  Geist  der  Zwietracht  gewaltsam
  niederzuringen  sich  vermaß.  —  Sein  kriegerischer
Geist  offenbarte  sich  frühzeitig,  nur  zu  bald  sollte  ihm  Gelegenheit
  geboten  werden,  ihn  vor  der  Welt  zu  bewähren,  und
zwar  zuerst  bei  einer  streitigen  Wahl  im  Stift  Merseburg.

1331  Als  nämlich  der  dortige  Bischof,  Friedrich  von  Hoym,  1384

verstarb,  schritt  das  Domkapitel  zu  einer  neuen  Wahl,  und