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90  Friedrich  der  Streitbare.

hart  zerfallenen  Geistlichkeit  ihm  beigelegt  worden  waren,  lag  in
hartem  Unfrieden  mit  seinen  Staͤnden,  seiner  Geistlichkeit  —
die  ihm  die  Ersaͤufung  des  angeblichen  Beichtvaters  seiner
Gattin,  Johann's  von  Pomuck  (welcher  nie  als  Beichtvater
der  Koͤnigin,  wohl  aber  als  ein  fanatischer  Vikar  des  brutalen
  Erzbischofs  von  Jensstein  existirte,  und  politischen
Motiven  aufgeopfert,  den  Wassertod  starb,  dem  man,  um
ihn  zu  einem  Maͤrtyrer  und  geistigen  Gegenkoͤnig  des  von
den  Boͤhmen  beinahe  heilig  verehrten,  verbrannten  Johannes
Huß  zu  creiren,  spaͤter  kirchliche  Motive  unterlegte)  und  andere
wilde  Streiche  nicht  vergeben  konnte,  weil  selbige  nicht  zu
den  frommen  wilden  Streichen  gehoͤrten  —  und  zum  Theil
auch  mit  seinem,  von  Pfaffen  und  andern  Parteiungen  irre
gemachten  Volke.  Man  hatte  ihm  den  Pfalzgrafen  Ruprecht
als  Gegenkdnig  hingestellt,  und  Markgraf  Jobst  von  Mähren,
  den  selbstsüchtige  Pläne  mit  König  Wenzel  entzweiten,
ließ  sich  von  seinem  Schwager,  dem  Markgrafen  Wilhelm
dem  Aeltern  von  Meißen  Hülfe  zuführen,  welchem  auch  Friedrich
  der  Streitbare  mit  seinem  Bruder  Wilhelm  beitrat.
Sie  zogen  vor  Prag  und  schlugen  ohnweit  dem  Schlosse
ihr  Lager  auf,  um  die  Stadt  zu  berennen  und  wo  moglich
den  Koͤnig  Wenzel  zu  fangen.  Allein  dieser,  der  lange  in
leichtsinniger  Sorglosigkeit  den  gegen  ihn  gerichteten  Anschlägen
  zugesehen  hatte,  ward  nunmehr  aufmerksam,  und  die
Besorgniß,  Reich  und  Krone  zu  verlieren,  machte  ihn  klug.
Er  erließ  eine  General-Amnestie,  in  Folge  deren  er  jedes
bisher  gegen  ihn  begangene  Vergehen,  welchen  Namen  es
auch  haben  mochte,  verzieh;  wußte  durch  bewilligte  Vortheile,
Geschenke  und  Versprechungen,  die  ihm  auffässigen  Stande
zu  versöhnen,  und  selbst  das  vielköpfige  Volk  dadurch  auf
seine  Seite  zu  bringen,  daß  er  vier  Personen,  die  er  als
dessen  Lieblinge  kannte,  auf  ein  Jahr  mit  königlicher  Gewalt
begabte,  alle  Beschwerden  abzustellen  und  die  Reichsverfassung
  nach  ihrem  Gutachten  zu  bestellen.  Durch  dieses  zeitgemäße
  Verfahren  wandelte  der  König  die  gegen  ihn  herrschende
  Unzufriedenheit  schnell  in  großes  Behagen  um,  welches
  auf  die  Belagerer  die  nachtheiligsten  Folgen  außerte,