Friebrich  der  Streitbare.  91

imdem  diese  nunmehr  nicht  mehr  sicher  waren,  von  den  Boͤhmen
  —  welche  in  ihnen,  statt  fruͤherer  Bundesgenossen,  jetzt
Feinde  und  unerbetene  Gaͤste  erblickten  —  hinterruͤcks  uͤberfallen
und  gejagt  zu  werden.  Dazu  kam  fuͤr  die  Belagerer  noch
der  Aerger,  daß  Koͤnig  Ruprecht  mit  sammt  den  1000  Lanzen,
  welche  er  ihnen  zuzufuͤhren  versprochen,  ausblieb  und
somit  seine  eigene  Sache  im  Stiche  ließ.  Bei  diesen  Unannehmlichkeiten
  hielten  es  die  Belagerer,  obgleich  mit  bitterm

Ingrimm  gegen  ihren  Verbuͤndeten  Ruprecht,  fuͤr  das  Gerathenste,

  abzuziehen,  und  waren  froh,  noch  mit  blauem
Auge  Jeder  sein  Land  wieder  zu  erreichen.  Besseren  Erfolg
hatte  im  folgenden  Jahre  eine  Fehde  gegen  die  ruberischen
Burggrafen  von  Dohna,  welche  im  Verdachte  standen,  es
heimlich  mit  König  Wenzel  zu  halten,  jedenfalls  aber  von
jeder  ausbrechenden  außern  Unruhe  Gelegenheit  nahmen,
Etwas  dabei  für  sich  zu  erschnappen.  Trotz  eines  früher
abgeschlossenen  Vergleichs  fielen  sie  plündernd  und  verwüstend
in  Wilhelm  des  Aeltern  Gebiet  ein,  bis  dieser  mit  Friedrich
dem  Streitbaren  ihre  Hauptburg  Dohna  brach  und  die  Grasen
  verjagte.

Nachdem  im  Jahre  1401  Friedrich  des  Streitbaren  jüngster
  Bruder,  Georg,  erst  zwanzig  Jahre  alt,  mit  Tode  abgegangen
  war,  fiel  sein  Landestheil  seinen  beiden  Brüdern  wieder
  zu,  worauf  dieselben  1403,  eben  so  wie  ihre  Vaterbräder,
  ihre  sämmtlichen  Besitzungen  wieder  zusammen  legten
und  Bestimmung  trafen,  was,  auf  den  Todesfall  des  Einzelnen,
  die  hinterbliebenen  sich,  gemeinschaftlich  oder  mit  Bevorzugung
  eines  Einzelnen,  aneignen  dürften.  Die  beiden  Vaterbrüder
  Balthasar  und  Wilhelm  I.  starben  bald  nach  einander;
  ihr  Tod  veranlaßte  Erbstreitigkeiten  zwischen  den  beiden
  Brüdern,  Friedrich  dem  Streitbaren  und  Wilhelm  II.
und  Balthasar's  hinterlassenem  Sohne,  Friedrich  dem  Friedfertigen,
  die,  obgleich  durch  Verträge  vermittelt,  doch  eine
geraume  Zeit  nachdröhnten.

Die  unruhvolle  Zeit,  welcher  Friedrich  der  Streitbare
angehdrte,  ließ  ihm  dennoch  Zeit,  mitten  unter  Stürmen  des
Krieges  an  Beförderung  der  Künste  und  Wissenschaften  zu

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und
um